Von Wolf Donner

Ich bin Römer, sagt Leone auf die Frage, warum er auch die lustigsten Fragen auf der Pressekonferenz so ernst und provozierend höflich beantwortet –

Die Römer sind bekannt in Italien für ihre ätzende Mentalität. Bei einem Begräbnis lächeln sie, um ihre Rührung nicht zu zeigen. Auf Lustig ges reagieren sie gern besonders würdevoll. Das Leben ist eben eine Mischung aus Tragik und Ironie. Darum beeindruckt mich auch Chaplin immer noch am meisten.

Dramatische Aktion und ironische Gags sind auch die wichtigsten Elemente in Leones neuem Film „Todesmelodie“. Er spielt 1913 während der Revolution in Mexiko und erzählt die Geschichte der Freundschaft zwischen Juan Miranda, einem Ganoven und Straßendieb (Rod Steiger), und John Mallory, einem enttäuschten irischen Ex-Revolutionär (James Coburn). John strotzt vor Dynamit und ist dadurch unverletzbar – wer ihn abknallen will, verändert gleich die ganze Landschaft im Umkreis. Mit diesem „Knallfrosch“ möchte Juan Banken knacken, aber John zieht ihn immer wieder in Rebellenaktionen hinein und macht ihn zum unfreiwilligen Helden der Revolution. Als es aber nicht nur seinen Vater und seine sechs Söhne erwischt, sondern am Ende auch den Sprengstoffexperten, bleibt Juan hilflos und allein zurück.

Dies war bisher mein schwierigster Film. Ich habe das Buch geschrieben und wollte nur produzieren. Erst sollte Peter Bogdanovitch Regie führen, dann Sam Peckinpah. Aber die Schauspieler bestanden darauf, daß ich selber hinter der Kamera stehe. Ich konnte mir den Film erst während der Dreharbeiten ganz aneignen. Täglich gab es neue Schwierigkeiten und Probleme, täglich mußte ich den Schauspielern neu erklären, was ich wollte. Und das bei einem Thema, in das viele private Erfahrungen und bittere Erlebnisse verarbeitet sind: die Nachkriegszeit, Freundschaften, die politische Entwicklung Italiens, der neue Faschismus...

Mit Rod Steiger hat es offenbar besondere Schwierigkeiten gegeben. Er spielt überzogen und undiszipliniert wie nie zuvor, er outriert und forciert wie jemand in einem Stadion, der noch in der letzten obersten Reihe Eindruck machen will.

Steiger wollte eine hochdramatische Rolle, ich wollte seine Figur ganz einfach und schlicht. „Zapata“, habe ich ihm gesagt, ist schon gedreht. Er ist ein dramatischer Schauspieler und muß daher immer mehr tun, als ein ironischer Schauspieler nötig hätte. Aber wir haben uns dann gut verstanden. Er spricht ein herrliches mexikanisches Englisch – die italienische Fassung glättet das völlig ein, und nach der wurde die deutsche Synchronisation gemacht; die ist schrecklich grob und bewirkt vielleicht diesen Eindruck von Steigers Spiel.