DIE ZEIT

Hysterie der Angst

Zuweilen meint man, daß die Wirklichkeit nicht mehr in unser Weltbild paßt, daß wir sie jedenfalls mit den Kategorien der Vernunft nicht mehr erklären können.

Die Last des „Nein“

Kürzlich seufzte ein höherer Funktionär aus einem kommunistischen Nachbarlande: „Wenn nur die Schriftsteller sich nicht in die Politik einmischen wollten!“ Unverständnis auf unserer Seite: „Mahner hat doch schließlich jeder nötig?“ Nach der Lektüre von Hans-Joachim Schoeps Buchankündigung in der Geistigen Welt vom letzten Sonnabend bringt man jedoch schon sehr viel mehr Verständnis für jenen Standpunkt auf.

FDP am Abgrund

In den nächsten Wochen wird viel entschieden in der Bundesrepublik. Die Ostverträge stehen auf dem Spiel, das Schicksal der Koalition und auch die Existenz der FDP.

Kairo als Schrittmacher

Es sah wie eine konzertierte Aktion aus: Von Teheran aus versprach Bundeskanzler Brandt in seinem ersten Interview für die offizielle ägyptische Nachrichtenagentur Bonns und Europas Hilfe bei der Friedenssuche in Nahost; schon eine Woche darauf gab die Arabische Liga ihren Mitgliedsländern den Weg frei zur Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen mit der Bundesrepublik.

Karriere durch Schwager Schiller

Die Bundesanstalt für Bodenforschung ist keine klösterliche Pfründe, mit der man einst illegitime Söhne eines Kardinals abfinden mußte.

Ein Personalchef wird geraubt

Die staatliche Autofabrik Renault, deren Hauptwerk im Pariser Vorort Boulogne-Billancourt eine ganze Seine-Insel einnimmt, steht in dem Ruf, in sozialer Hinsicht vorbildlich zu sein.

ZEITSPIEGEL

„Mit schmerzlicher Bewunderung muß ich heute feststellen, daß das, was mir Chruschtschow damals vortrug, über alle die Jahre hinweg trotz wechselnder Personen sowjetische Deutschlandpolitik geblieben ist.

Die Mannschaft der Opposition

Schneller als es manchen Politikern der Opposition lieb war, wurde die Union gezwungen, ihre Führungsmannschaft zu präsentieren und sich Gedanken darüber zu machen, mit welchem Regierungsprogramm sie – sollte es zu Neuwahlen kommen – vor die Öffentlichkeit treten will.

Wolfgang Ebert:: Schiller–Drama

Wenn der Vorhang zu dieser Familien-Tragödie aufgeht, sehen wir Frau Hilke Machens, die zu ihrem Mann, dem Geologen, sagt: „Eberhard, ich muß dir eine wichtige Mitteilung machen.

Der „Feind“ als guter Nachbar

Zum erstenmal seit sechs Jahren dürfen West-Berliner wieder nach Ost-Berlin. Der Nachholbedarf ist groß: In 170 Reisebüros versorgen sich die Bewohner des westlichen Stadtteils mit Antragsscheinen für Besuche in der DDR und in Ost-Berlin; nur an den teueren Stadtrundfahrten und Gesellschaftsreisen sind sie weniger interessiert.

Sorge vor morgen

Der jüngste Bericht des Wehrbeauftragten des Bundestages ist nicht nur der bisher umfangreichste, sondern auch der ehrlichste.

Spadolinis sanfter Abschied

Müssen Zeitungsverleger auf die Redakteure hören, ehe sie einen Chefredakteur auswechseln können? Der Testfall, der jetzt im Mailänder Corriere della Sera – der zu den sechs oder acht großen internationalen Zeitungen der Welt gehört – praktiziert wurde, trägt wenig zur Klärung dieser Frage bei.

Von Revolution war keine Rede

Von der Revolution, die schon lange im Munde italienischer Kommunisten nur noch ein Fremdwort, keine Parole ist, war überhaupt nicht mehr die Rede.

Poeten streiten für Pakistan

Pakistans Poeten und Komponisten sind am vergangenen Wochenende von der Regierung zu einem Wettstreit aufgerufen worden. Sie sollen einen „revolutionären Gemeinschaftsgesang“ kreieren, um zu bewirken, was bislang weder Politikern noch Generälen gelungen ist: das Volk patriotisch zu stimmen und seinen Marsch auf dem Weg des Fortschritts zu beschleunigen.

Brandt verjagte die Wolken

Am Himmel der deutsch-iranischen Beziehungen, so befand Ministerpräsident Hoveida bei seinem Trinkspruch in der Residenz des deutschen Botschafters in Teheran, habe es Wolken gegeben.

Die selbstkritischen Amerikaner

Niemand leugnet mehr, daß die Vereinigten Staaten mit schwierigen Problemen zu kämpfen haben. Den Krieg beenden – das ist sehr viel leichter gesagt als getan; die Verödung der Städte und das Zunehmen der Verbrechen aufzuhalten, scheint fast aussichtslos; die triste Lage der Schwarzen, Indianer und anderen Minderheiten scheint sich überhaupt nicht zu bessern.

Der „böse“ Russe

Erst der Axel-Springer-Dienst, dann Axel Springer selber setzten eine gruselerregende Mär in die Welt: Der prominente sowjetische Deutschland-Experte Bereshkow habe in Westberlin – „in West-Berlin!“ – „die Katze aus dem Sack gelassen“.

Hochzeit mit Hintersinn

Zwei Grundsätze hat Spaniens greiser Diktator Franco stets beherzigt: die Lehre vom divide et impera und die Einsicht, daß Legitimität wichtiger ist als Legalität.

Irland: ein blutig-garstig Lied

Nach einem bombenfreien Wochenende, einer überraschend kurzen Pause im nordirischen Totentanz, eröffnete die Irish Republican Army (IRA) mit einer Serie von Bombenanschchlägen den „totalen Krieg“.

Permanente Wehen

Das Wetter ist regnerisch und trüb wie überall in diesen Tagen im Norden der Bundesrepublik. Im neugestalteten Theater Osnabrücks führen Delegierte der Ratsparlamente der Städte Angers (Frankreich), Haarlem (Niederlande) und Osnabrück Partnerschaftsgespräche.

„Hier nix Boß“

Nordrhein-Westfalens Verfassungshüter hatten einige Schwierigkeiten, die Kölner Filiale der Kommunistischen Partei Italiens (KPI) auszumachen, die erst im Februar auf einem feierlichen Empfang im Haus der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) angekündigt und bald darauf im „Club Italia“ eingerichtet wurde.

Ein zweiter Fall Aumühle?: Angst vor Irren

Das einzige, was die rund 4000 Musberger am Stadtrand der schwäbischen Metropole Stuttgart bisher in ihrer Ruhe gestört hat, ist der Lärm des Flugplatzes Echterdingen und winters die Autokolonnen zu dem Skilift an ihrem „Pitzmus“, wo sogar eine Sprungschanze veritables Zeichen der aufstrebenden Gemeinde ist.

Olympia-Mode: Vorbild: Courrèges

In der neuen Volleyballhalle des Olympiaparks präsentierte das Organisationskomitee am 10. März nach monatelangem Ringen und Rangeln die Kleidung für mehr als 20 000 Personen.

Masseuse für den Commodore

Früher war auf die Kleinanzeige Verlaß. Die annoncierende Hostess war eine Hostess, das Photomodell ein Photomodell, und die Masseuse eine Masseuse.

Nein zu Heinrich Heine

Düsseldorf hat an der Kulturfront eine Schlacht verloren: ihrem größten Sohn, dem Dichter Heinrich Heine, wurde eine späte Ehrung verweigert.

Vergreister Halbgott

Hans Mausbach, der 34jährige Frankfurter Chirurg, bezeichnet sich ostentativ als „arbeitslos“, als arbeitsloser Chirurg, obwohl, wie alle Welt weiß, der Ärztemangel groß ist.

Lied vom Tod

Unsere Leistungsgesellschaft spielt wieder einmal das Lied vom Tod. Es gilt diesmal einer Kreatur Gottes, von der Kenner behaupten, sie sei „von Adel“, feingliedrig, lebhaft, edel und schön, Die Hinterwäldler-Kuh, die seit 1500 Jahren den Schwarzwaldbauern durch dick und dünn begleitete, ihm Rahm gab und sonntags den Braten, steht auf der Schwarzen Liste.

Die Nackten und die Roten

Dieser Tag wird, zumindest in Hessen, als ein besonders denkwürdiger in die Annalen der Freikörperkultur-Geschichte eingehen.

Krisenherde der Woche

In vier Stoßkeilen operieren rund 9000 südvietnamesische Soldaten seit Donnerstag vergangener Woche in Kambodscha, angeblich um drei Divisionen Hanois den Weg nach Saigon abzuschneiden.

BRD-DDR: Neue Initiativen

Die Bundesregierung hat neue Initiativen für Verhandlungen mit der DDR angekündigt, über deren Inhalt allerdings noch nichts bekanntgegeben wurde.

Nervenkrieg um Neuwahlen

Vor vierzehn Tagen sprach man in Bonn von einer Regierungskrise, in der vergangenen Woche von „Nervenkrieg“. Das Management der Parteien betrieb das Planspiel Neuwahlen weiter.

Erfolg der Gemäßigten

Spaniens Konservative haben eine unangenehme Niederlage hinnehmen müssen. Anfang voriger Woche trat in Madrid die Bischofskonferenz zu ihrer 16.

London verständigt sich mit Peking

Die Bemühungen um eine Normalisierung des amerikanisch-chinesischen Verhältnisses, die Präsident Nixon bei seinem Peking-Besuch vereinbarte, sind schneller als erwartet in Gang gekommen.

Wehrbericht: Kritisches Echo

Je weniger sensationell die alljährlichen Berichte des Wehrbeauftragten sind, desto weniger Aufmerksamkeit ist ihnen sicher.

Dokumente der ZEIT

„Wer von Frieden redet, aber den Weg zu sicherem Frieden blockiert, macht sich nicht nur unglaubwürdig, sondern schadet den Völkern.

Mit deutschem Gruß

Die Hauptsache, um die es eigentlich ging, ist schnell erzählt: Die 24. ordentliche Mitgliederversammlung des Verbandes Deutscher Studentenschaften in Bonn endete nach vier Tagen beschlußunfähig – ohne Ergebnis, ohne Programm und ohne Vorstand.

Robert Neumann:: Für eine andere Brüderlichkeit

Der Schriftsteller Robert Neumann äußert hier, wie so oft, sehr Persönliches, sehr Pointiertes, sehr Polemisches. Wer mit Neumanns Art, die „Woche der Brüderlichkeit“ zu interpretieren, unzufrieden ist, dem sei der Artikel „Verfolgung ohne Ende?“ von Ben Gershom auf Seite 54 empfohlen; er dürfte eher seinen Erwartungen entsprechen.

Bildende Kunst: Ensor in Stuttgart: Maskenfest

Während draußen im Land die Pest wütet, vergnügt er sich mit seinen Freunden im sicheren Schloß. Ihre Kostüme sind grotesk und bizarr, einer der Vermummten jedoch, ein Unbekannter, treibt mit dem Entsetzen Scherz – er trägt die Maske des roten Todes.

ZEITMOSAIK

Die im Verband deutscher Schriftsteller (VS) seit Anfang an geführte Kontroverse darüber, ob der Anschluß an eine Gewerkschaft, den der Bundesvorstand anstrebt, nützlich und sinnvoll sei, hat am letzten Wochenende im Landesverband Bayern, der mit seinen 560 Mitgliedern bei weitem die größte Untergruppe im Gesamtverband mit seinen 2300 Mitgliedern, stellt, zu einem offenen Eklat geführt.

DIE NEUE SCHALLPLATTE

Die neue „black music“ eines Curtis Mayfield, Marvin Gaye und anderer versucht, sich von den Klischees des Soul und der weißen Popmusik zu emanzipieren.

Schulbücher: Kalter Krieg in der Klasse

Was Millionen westdeutsche Schüler aus ihren Geographie- und Geschichtsbüchern über Polen erfahren, nennt der Direktor des Internationalen Schulbuchinstituts in Braunschweig, Georg Eckert, „ein Trauerspiel“: Was dargestellt wird, sei immer noch „nicht ausgewogen und unzulänglich“, denn es spiegele „gelegentlich den alten Hochmut der Westvölker gegenüber den Ostvölkern“ und gebe nicht selten wieder, „was die Deutschen während des Kalten Krieges über Polen dachten“.

Wie Moskau uns unterjochen wird

Vor der Deutschen Atlantischen Gesellschaft in Stuttgart, hat der Verleger Axel Springer eine Rede gehalten, die vor illustrem Publikum den Untergang Deutschlands durch Ostverträge und linke innere Feinde an die Wand malte.

Kunstkalender

Das Museum präsentiert eine sehr gute Auswahl von etwa 100 Blättern aus seinem Kupferstichkabinett, in dem der italienische Barock und das deutsche 19.

Baufällige Elfenbeintürme

Die Gunst der Geographie, die Weiden und Äcker sich unbegrenzt ausdehnen ließ, und dazu der Arbeitseifer dankbarer Immigranten machten Argentiniens Einwohner vor fünfzig Jahren reich.

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