Geheimniskrämerei gehört zur Strategie des CDU-Wirtschaftsrates

Von Wolfgang Hoffmann

Die Herren trafen sich im "Goldenen Salon" des Bonner Königshofes. Der Rahmen war insofern passend gewählt. Als weniger glücklich mögen einige Teilnehmer die – wenn auch nur räumliche – Nähe zum Amtssitz des Kanzlers empfunden haben, dem Zentrum der "roten Herrschaft". Im Königshof hatte sich nämlich der Wirtschaftsrat der CDU eingefunden, um einen neuen Vorstand zu küren – der schließlich dann bis auf wenige Ausnahmen doch wieder mit dem alten identisch war.

"Traditionskompanie der sozialen Marktwirtschaft" nennt einer der Gründer den erlauchten Zirkel aus Wirtschaft und Politik. Seine Mitglieder stehen zwar alle der Union sehr nahe, tragen deshalb aber nicht unbedingt auch das Parteibuch der CDU in der Tasche. Mit über 3000 Mitgliedern hat die "Traditionskompanie" die zulässige Mannschaftsstärke längst überschritten und eher Brigademaß erreicht. Allein der monatliche Mitgliederzugang hat im Zeichen sozialdemokratischer Herrschaft inzwischen fast Kompaniestärke angenommen.

Die Wirtschaft ist in diesem Traditionsverein ohne Zweifel massiv vertreten. Diejenigen, die es mit der sozialen Seite der Marktwirtschaft ernster nehmen, die CDU-Sozialausschüsse, sind auf der anderen Seite des Rheins, im Adam-Stegerwald-Haus in Königswinter zu Hause. Die Beziehungen zwischen beiden CDU-Vereinigungen sind recht kühl.

Glaubt man dem ehemaligen Geschäftsführer des Wirtschaftsrates, Herbert B. Schmidt, so haben die in Königswinter verfolgten Ideen und Ziele überhaupt erst dazu geführt, daß es den Wirtschaftsrat gibt. Vor allem weil die Sozialausschüsse 1963 auf ihrem Oberhausener Kongreß gesellschaftspolitische "Linkstöne" anschlugen, wurde der Wirtschaftsrat als Gegengewicht ins Leben gerufen, weiß sich Herbert B. Schmidt zu erinnern. Zu seinen Vätern gehörten damals Konrad Adenauer, Josef Hermann Dufhues, der süddeutsche Papierfabrikant Klaus H. Scheufelen, Ludwig Erhard und Kurt Schmücker. Der ehemalige CDU-Schatzmeister Schmücker sieht die Entstehungsgeschichte des Wirtschaftsrates weniger dramatisch: "Später weiß man eigentlich nie genau, wie so etwas entstanden ist." Auch über die Aufgaben des Rates bestehen Meinungsunterschiede.

Einigkeit besteht zwischen dem Ex-Geschäftsführer Schmidt und seinem Nachfolger Haimo George allerdings darin, daß die Unternehmer für die Politik mobilisiert werden müssen. George versteht den Wirtschaftsrat als Berufsverband, als Hüter der "sozialen Marktwirtschaft". Er soll dafür sorgen, daß die soziale Komponente kein Übergewicht erhält, was "in dieser Phase der sozialen Marktwirtschaft befürchtet werden muß".