Von Werner Birkenmaier

An Imre Bekessy erinnert man sich gelegentlich, weil Karl Kraus sich mit ihm auseinandergesetzt hat; ansonsten weiß man von ihm nur, daß er immer noch Artikel schrieb, als längst niemand mehr bereit war, sie zu drucken. Wird man sich einstens an Imre Bekessys Sohn Janos nur noch erinnern, weil er den Dramatiker Friedrich Dürrenmatt wegen Ehrverletzung verklagt hat?

Janos Bekessy heißt heute anders. Als er 1933 in Österreich für den faschistischen Heimwehrführer Rüdiger von Starhemberg faschistische Artikel schrieb, zeichnete er mit den Initialen H. B. – Hans Bekessy, und daraus ist das Pseudonym Hans Habe entstanden. Anders als die seines Vaters werden Habes Artikel gedruckt, vorzugsweise von der Springer-Presse. Am 31. Mai 1970 war von ihm in Springers „Welt am Sonntag“ ein Artikel erschienen mit der Überschrift: „Ich bin ein Deutscher und deshalb Nationalsozialist.“ Im Vorspann hieß es: „Harry Buckwitz führte die Frankfurter Bühnen nach links, wurde Direktor des Zürcher Schauspielhauses, läßt Hochhuths ‚Guerillas‘ aufführen und gibt sich als Opa der Apo. Vor dreißig Jahren jedoch legte er ‚seine Seele in die Hand des Führers‘.“

Ein Teil der Schweizer Presse interpretierte Habes Angriff gegen Buckwitz als eine Art Racheakt an den ihm nicht gewogenen linksliberalen Autoren wie Hochhuth, Frisch und Dürrenmatt.

Habe hatte eine während des Zweiten Weltkriegs erschienene, von Harry Buckwitz verfaßte Schrift über dessen „Heimkehr“ aus Afrika ausgegraben. Buckwitz sagte zu seiner Rechtfertigung, und der amerikanische Theateroffizier Willem van Loon bestätigte es ihm, daß der Text von den Nazis „verbessert“ worden sei. Dürrenmatt, seit 1970 Mitglied des Verwaltungsrates am Zürcher Schauspielhaus und in Habes Artikel unmittelbar angesprochen, stellte sich hinter Buckwitz und ging zum Gegenangriff über. In einem Telephoninterview mit dem Schweizer „Sonntags-Journal“ sagte er: „Die Politik von Habe ist eine absolute Schweinerei... Der einzige Faschist in dieser ganzen Geschichte ist der Habe selber.“ Und auf die Frage, ob er Habe antworten werde, sagte Dürrenmatt: „Auf menschliche oder tierische Exkremente, die man vor sich auf der Straße liegen sieht, tritt man nicht ein.“

Möglich, daß Dürrenmatt nicht damit gerechnet hatte, wörtlich zitiert zu werden. Wahrscheinlich hätten die Journalisten des „Sonntags-Journals“ besser daran getan, bei ihm zurückzutragen, ob er das so stehen lassen wolle. Habe jedenfalls hatte Anlaß, sich zum forensischen Kontrahenten Dürrenmatts aufziiwerfen. Wenn man schon nicht „dazugehört“, so verbindet wenigstens die Doppelrolle von Kläger und Angeklagtem. In der vergangenen Woche standen sich Dürrenmatt und Habe vor dem Zürcher Bezirksgericht gegenüber.

Der Dramatiker wich der Rolle des Angeklagten nicht aus: „Ich stelle mich diesem Prozeß aus moralischer Verantwortung. Ich handelte nach meinem Gewissen. Es tut mir leid, gegen Habe harte Worte gebraucht zu haben: Sie waren unumgänglich. Ich handelte in einem Augenblick, wo ich im Interesse des Schauspielhauses nicht anders handeln konnte, es galt, der Sache zuliebe unerbittlich zu antworten, ich würde es im Interesse der Sache auch jetzt wieder tun. Ich habe nichts zurückzunehmen, werde nichts zurücknehmen.“