Der ITT-Chef selbst liest Finanzpläne und Bilanzen mit derselben Begeisterung, mit der andere Leute Romane verschlingen. Auf dem Fensterbrett seines Dienstzimmers, so wird erzählt, liegen – säuberlich geordnet – ein Dutzend Aktenkoffer mit Geschäftsunterlagen. Bei seinen Europa-Trips wiegt allein sein Bürogepäck über zwei Zentner. Die Koffer werden, wie es heißt, mit einem Gabelstapler zu einem Lieferwagen transportiert, der sie zum Flugzeug bringt.

Unter seiner Leitung dauern die Managersitzungen durchweg von morgens um zehn bis zwei oder drei Uhr nachts. „Schlaflosigkeit ist eine der Hauptvoraussetzungen für eine Spitzenposition in unserem Konzern“, witzelte ein ITT-Manager; unter konferenz-zermürbten Geneen-Mitarbeitern machte das Wort vom „Management by Meetings“ die Runde.

Immerhin führte der an 16-Stunden-Arbeitstage gewöhnte ITT-Präsident seinen Konzern auf einen steilen Wachstumspfad: In nur fünf Jahren verbesserte sich die Gruppe in der Tabelle der größten US-Firmen vom 28. auf den fünften Rang. Hauptversammlungs-Opponenten, die an seinem fürstlichen Gehalt von 2,45 Millionen Mark zuzüglich Prämien (angeblich das höchste Manager-Salär in einem amerikanischen Industrie-Unternehmen) brachte er in den letzten Jahren mit der Konterfrage zum Verstummen: „Wie hoch würden Sie jemanden bezahlen, der den Wert der Gesellschaft um elf Milliarden Dollar vermehrt hat?“

Geneens Hang zur Gigantomanie beobachteten die Anti-Trust-Beamten im Washingtoner Justizministerium allerdings mit zunehmendem Argwohn. Als sich der ITT-Zar 1969 anschickte, die Lebensmittelfirma Canteen Corp., die führende Schadensversicherung Hartford Fire Insurance und den größten amerikanischen Produzenten von Feuerlöschgeräten, die Firma Grinnell Corp. zu schlucken, schritt die Behörde ein.

Nach langwierigen Verhandlungen legten ITT und das Ministerium im August vorigen Jahres ihren Streit überraschend bei. Geneen verpflichtete sich, innerhalb von zwei Jahren Canteen und Grinnell wieder zu veräußern. Außerdem muß sich der Konzern im Laufe von drei Jahren entweder von Hartford Fire oder von vier anderen Firmen, unter ihnen Avis, trennen. Für die Zukunft verpflichtete sich der Konzern, inländische Firmen mit einem Vermögen von über 100 Millionen Dollar nicht mehr ohne Genehmigung des Justizministeriums zu erwerben.

Trotz dieser einschneidenden Verpflichtungen blieb ITT ein eindeutiges Verbot der Fusion mit Hartford Fire, einer der größten Zusammenschlüsse in der amerikanischen Geschichte, erspart. Harold Sydney Wilson Geneen weist jedoch jeden Gedanken an eine erkaufte Einigung entschieden zurück. Gleichzeitig machte er aus seinem Groll gegen die Anti-Trust-Behörde keinen Hehl: „Die Regierung ist dabei, uns durch den Spülstein zu jagen.“