Feuilleton

Die Zufälle bringen das meiste

Zu seinem zehnten Konzert kam er auf folgende Weise: Herbert von Karajan wollte in London Mozarts Konzert für drei Klaviere und Orchester aufführen, er selber an einem, Christoph Esdienbach und Jörg Demus an den beiden anderen Soloinstrumenten.

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DIE ZEIT

General Giaps letztes Gefecht

Vietnam wird kein Wahlkampfthema sein, weil wir das amerikanische Engagement vorher beendet haben werden.“ Dieses selbstbewußte Versprechen gab Präsident Nixon im Dezember vergangenen Jahres.

Wider Wilson

Fast zwei Jahre haben die Proeuropäer bei Labour zugesehen, wie Wilson und die Mehrheit sich auf die Insel und in die Isolation zurückzogen.

Bonner Bote

Niemand wäre geeigneter als der ehemalige Außenminister, dessen objektive, politisch seriöse, menschlich faire Haltung die beste Gewähr dafür bietet, daß dies kein Husarenritt der Opposition wird, sondern eine ernsthafte Erkundungsreise.

Aus dem Schneider?

Die Auseinandersetzung um die Ostverträge hat an Schrillheit verloren. Neue Argumente gibt es nicht mehr, alles ist schon tausendmal gesagt.

Vogel-frei

Vor einem Jahr noch hatte er mit der Kraft seiner Popularität und rhetorischer Wucht einen Damm gegen die Linksdrift seiner Partei errichtet.

Das Amt des Präsidenten

Das Staatsoberhaupt soll bei der Vollziehung seiner repräsentativen Aufgabe nicht in Versuchung geraten, die Exekutive für sich in Anspruch zu nehmen.

ZEITSPIEGEL

Der Waffenhandel hat einen neuen Kundenkreis. Die Zürcher Polizei konfiszierte im vergangenen Jahr bei der Durchsuchung von Reisenden 379 Pistolen und Revolver, 4336 Messer, Dolche, Totschläger und Tränengasgranaten sowie 381 andere „gefährliche Gegenstände“, vor allem Sprühdosen mit Chemikalien.

Ein Präsident der Deutschen

Es war im Spätherbst, als ich ihn zum letztenmal sah: eingefallen, hager, an einem Spazierstock tappend, von einer Krankenschwester gestützt.

Noch kein Held für Miami

Die Lincoln-ähnlichen Konturen, die seine Freunde an ihm festzustellen glaubten, beginnen zu zerfließen. Edmund Sixtus Muskie, der einige Male, wenn auch nur in größeren Abständen, ahnen ließ, daß er über die Talente eines politischen Führers von nationalem Rang verfügt, erschöpft sich derzeit im minengespickten und fallstrickreichen Vorfeld des Kampfes um das Weiße Haus.

Tüchtig und tüftelig

Wer immer Stuttgarts Villa Reitzenstein als Ministerpräsident beziehen will, muß sich durch den Filter rütteln lassen, aus dem das Land seine demokratischen Fürsten liest.

Die Angst als Wahlhelfer

Stolz dürfen die Wähler von Baden-Württemberg auf jeden Fall sein, ganz gleich, welcher Partei sie ihre Stimme geben. Von der CDU hören sie, ihr Musterländle stehe an der Spitze in der Bundesrepublik.

Unser Mann in Moskau

So willkommen Heinz Ulrich Sahm, seit Beginn dieser Woche neuer Botschafter der Bundesrepublik in Moskau, dem Kreml auch sein mag – bis zur endgültigen Bundestagsentscheidung über die Ostverträge wird er zwischen Himmel und Hölle schweben.

Marschzahl aus dem Kreml

Die Freundschaft Erich Honeckers mit Leonid Breschnjew muß entweder sehr eng oder nicht ganz frei von Komplikationen sein, oder man sie an der Dauer des Besuches, den der SED-Parteichef am Dienstag voriger Woche angetreten hatte, einen Tag vor Ablauf der Sonderregelung für Besuche in der DDR und Transitreisen nach West-Berlin.

Sind sie Opportunisten?

Das öffentliche Interesse am Auswärtigen Amt und am Auswärtigen Dienst ist stark; aber für die Presse ist es schwer, den umfangreichen und weitverzweigten, zwangsläufig diskret agierenden Apparat mit seinen vielfältigen Aufgaben publizistisch in den Griff zu bekommen.

Furcht an der freudlosen Straße

Inmitten verängstigter vietnamesischer Zivilisten bin ich heute morgen durch die schlammigen Straßen von Quang Tri gestapft.

Peron vor der Tür

Zwei Morde an einem Tag haben die ohnehin gespannte Lage in Argentinien verschärft und erneut das Schreckgespenst einer Militärdiktatur nach brasilianischem Vorbild heraufbeschworen.

Schach dem König

Dem Wüstenreich des Königs Hussein steht ein kalter Sommer bevor. Er ist isoliert. Kairo hat ihn mit dem arabischen Bann belegt.

US-Vorwahlen: McGovern vorn

Im amerikanischen Bundesstaat Wisconsin erzielte Senator McGovern einen großen Erfolg: Bei den Vorwahlen für die Präsidentschaftskandidatur gewann er bei den Demokraten, mit 30 Prozent der Stimmen eindeutig vor seinen Rivalen und gilt jetzt als einer der Favoriten seiner Partei.

Die DDR stiftet Verwirrung

Eine neue Verhandlungsrunde zwischen den Staatssekretären Bahr und Kohl über ein Verkehrsabkommen zwischen der Bundesrepublik und der DDR, die Paraphierung eines Handelsabkommens zwischen Bonn und Moskau, ein mehrtägiger Besuch von SED-Chef Honecker in der sowjetischen Hauptstadt sowie die Fortsetzung des Streits um die Verträge mit Moskau und Warschau in der Bundesrepublik bestimmten das ostpolitische Panorama in der vergangenen Woche.

Türkei: Neue Machtprobe

In der Türkei steht eine neue Machtprobe zwischen Parlament und Militär bevor. Nach den jüngsten Unruhen und der Ermordung von drei NATO-Technikern hatte Staatspräsident Sunay dem Parlament ein „Ermächtigungsgesetz“ zugeleitet, das bis zu den Wahlen 1973 in Kraft bleiben und der Exekutive erweiterte Vollmachten bei der Bekämpfung von Terroristen einräumen soll.

Kairo bricht mit Amman

Ägypten hat am Donnerstag vergangener Woche die diplomatischen Beziehungen zu Jordanien abgebrochen und damit verspätet auf den Plan des jordänischen Königs Hussein reagiert, sein Königreich in eine Föderation zweier autonomer Provinzen „Jordanien“ und „Palästina“ umzuwandeln.

Dokumente der ZEIT

„Die Kampferfolge der patriotischen Kräfte Südvietnams haben mit aller Anschaulichkeit gezeigt, wie haltlos die Berechnungen Washingtons sind, das Vietnamproblem auf militärischem Wege zu lösen.

Tribunal der Dritten Welt

Am 13. April beginnt in der chilenischen Hauptstadt Santiago die dritte Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung (UNCTAD – United Nations Conference on Trade and Development), zu der rund 2500 Delegierte aus 140 Staaten erwartet werden.

SPD in München: Vogel abgeschlagen

Mit großer Mehrheit wählte der Parteitag des SPD-Unterbezirks München am Wochenende den früheren Vorsitzenden der Jungsozialisten in Bayern, Rudolf Schöfberger, zum neuen Vorsitzenden.

Krisenherde der Woche

Der 67jährige Scheich Abeid Karume, seit 1964 absoluter Herrscher auf den beiden zum Staatsverband Tansania gehörenden Inseln Sansibar und Pemba, ist ermordet worden.

England: Dämpfer für Wilson

London erlebte innerhalb einer Woche zwei „Kabinetts-Umbildungen“. Premierminister Heath berief – wie erwartet – zur Halbzeit seiner Regierung elf zumeist jüngere Abgeordnete als neue Staatssekretäre; fünf Staatssekretäre wurden abgelöst.

Invasion verliert an Tempo

Zwölf Tage nach seinem Beginn hat sich der Vormarsch der nordvietnamesischen Invasionstruppen merklich verlangsamt und ist – wie Saigon behauptet – sogar gestoppt worden.

Sarden, Räuber und ein Plan

Aufgeregtes Geschnatter empfing Bachisio Saba, als er sich mit seiner Braut der Dorfkirche des sardischen Bolotano näherte. Fragen stürzten auf ihn ein, die er mehr oder weniger schon kannte, seit er vor dem Untersuchungsrichter in Mailand gesessen hatte.

Billard für zehn

dem er seit vielen Jahren einen Teil seiner Freizeit verbringt. Manche meinen, Frankreichs Staatspräsident übertrage die Regeln des Billardspiels auch auf die Politik.

Eine Rede in Stuttgart

Es scheint, daß die Berühmtheit, fast Popularität, die der am letzten Wochenende hochbetagt verstorbene James F. Byrnes in Deutschland besaß, auf einem Mißverständnis beruhte.

...und sind so klug als wie zuvor

Der Raum Nr. 1903 im „Langen Eugen“, dem Bonner Abgeordnetenhaus am Rheinufer, ist für die Kameraleute der ARD und des ZDF zu einer Stätte der Qualen geworden.

Druck auf Dirnen

Der Dirnenkrieg zu München begann am Montagabend, Punkt 19.00 Uhr. Acht stimmige Polizeibeamte Sprechfunkgerät in der Linken, Pistole am Gürtel und Entschlossenheit in den Gesichtern – besetzten die Tore des Eros-Centers in der Zweigstraße, gleich hinter dem Bahnhof.

Tünnes und Böll

Das Echo kam programmgemäß: Bürgermeister Friedrich Jacobs schimpfte Deters im Massenblatt Express einen „Verrückten, der nicht alle Tassen im Schrank hat“.

Kollekte für Kollegen

Hamburgs Justiz ist ins Zwielicht geraten: War es möglich, daß sich in den vergangenen Jahren wohlhabende Bürger mit hohen Geldbußen von gerichtlichen Strafen freikaufen durften? Und konnten Hamburger Richter und Staatsanwälte aus einer Verquickung von Amt und außerdienstlichen Interessen finanziellen Gewinn ziehen? Mit solchen Fragen befaßt sich seit voriger Woche ein siebenköpfiger Untersuchungs-Ausschuß der Bürgerschaft.

Reformer oder Rabulist?

Der Photograph des Münchner Merkur bat sie in den Biergarten, und wie die sechs so dasaßen, vor dem Podium, auf dem an sonnigen Tagen eine Blaskapelle schmettert, schien es, als könnten sie kein Wässerchen trüben.

„Haschhunde“ ohne Suchtgefahr

Eine große Boulevardzeitung mobilisierte die Öffentlichkeit, ein Magazin notierte „Zollhunde werden süchtig nach Hasch“, und der Deutsche Tierschutzbund erkundigte sich besorgt beim Bundesfinanzministerium, ob hier nicht Tieren Unrecht widerfahre.

Fighter mit harten Bandagen

Am kommenden Wochenende wählt der stärkste und einflußreichste FDP-Landesverband mit seinen 18 000 Mitgliedern einen neuen Vorsitzenden, nachdem sich Willi Weyer unwiderratlich entschloß, das Parteiamt „in jüngere Hände“ zu legen.

Moderne Pädagogik: Es nennt sich Kybernetikon

Diskussionen, Ausstellungen und ähnliche Kulturveranstaltungen haben für gewöhnlich anzukämpfen gegen: den Verdacht ihrer Überflüssigkeit: Sie müssen schon irgendein, besonderes Gelingen vorweisen können, um nicht als sinnlos dazustehen.

Fernsehen: Manager und Barockfürsten

Menschen, Namen, Lokalitäten werden zu Mythen, wenn sie von der Bildfläche verschwinden: Zu einem Zeitpunkt, da die Weltmetropole des Films unweigerlich gesunken und längst totgesagt ist, blüht der Kult mit dem frühen amerikanischen Film stärker als je zuvor und ist der Begriff Hollywoods zum Synonym für die Kinofaszination junger Filmmacher oder Filmfans in aller Welt geworden.

Moritat vom Kammerdiener

Gewiß, man wußte bereits, daß Europa reich an geographischen und historischen Schönheiten ist; aber daß es sich so malerisch ausnimmt mit seinen Denkmälern und Kirchen, Feldern und Seen, daß – Hand aufs Herz! – hatte man denn doch nicht geahnt.

Geschichten

Das Leben schreibt Geschichten, sagt man, Geschichten, wie man sie besser und eindrucksvoller gar nicht erzählen könnte. Hübsche Geschichten, böse Geschichten, solche mit gutem Ausgang und andere mit weniger gutem.

Weiter auf dem Weg nach links

Auf dem Programm standen: Klubgeschäfte, Neuwahlen des Präsidiums, Resolutionen und drei öffentliche Veranstaltungen. Der westdeutsche P.

Die Schweden und Solschenizyn

Nachdem die sowjetischen Behörden dem Sekretär der schwedischen Akademie, Karl Ragnar Gierow, die Einreise in die UdSSR nicht gestattet und damit die nach, langem Hin und – Her geplante Verleihung der Nobelpreis-Insignien an Alexander Solschenizyn verhindert haben, regt sich auch in Schweden einiges an Kritik.

Hochschulen – noch gefragt?

Man trägt heute nicht mehr Hochschule, man trägt Umweltschutz oder allenfalls Vorschulerziehung“, meinte der Haushaltsreferent eines Finanzministeriums achselzuckend, als man ihn mit den politischen Konsequenzen gekürzter Universitätshaushalte erschrecken wollte.

für und gegen: Schwangerschaftsabbruch

Eine wissenschaftsgläubige, Spezialisten vertrauende Gesellschaft steht hier vor einem Dilemma: Wer ist da eigentlich zuständig? Gynäkologen? Theologen? Juristen? Soziologen? Biologen? Futurologen? Politiker? Die Argumente pro und contra kommen aus den verschiedensten Bereichen.

Ein Mikado der Wörter

Da geht Borges!“ rief einer von uns am Vormittag in der Calle Mexico, als wir schräg gegenüber der Bibliotheca Nacional die Geräte aufstellten, um mit Hector Murena vor der abbruchreifen Argentinischen Schriftstellergesellschaft einen Dialog zu filmen, in dem der Romancier und einstige Borges-Jünger auf die Frage, ob er Mitglied sei, antworten wollte: „Nein, es ist ein Klub für Jubilare.

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