Von Heidi Dürr

Deutschlands Zeitungsverleger verdienen Millionen im Jahr mit Heirats- und Partnerschaftsanzeigen. Mit ihren eigenen Partnern aber haben sie zuweilen recht wenig Glück.

Als besonders schwierig hat sich das Zusammenleben der Verlage im Ruhrgebiet erwiesen, wo seit 25 Jahren die Konkurrenz groß ist und die Sitten von jeher rauh. Der jüngste Zwist an der Ruhr wird jedenfalls die Pressehistoriker ausreichend beschäftigen.

Begonnen hatte die Geschichte im Februar. Damals wurde bekannt, daß die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) in Essen, mit rund 560 000 verkauften Exemplaren größte Regionalzeitung im Bundesgebiet, mit der SPD-eigenen Westfälischen Rundschau in Dortmund über eine 25prozentige Beteiligung verhandele. Wie alle Nachrichten über neue Aktivitäten des Essener Riesen machte auch diese Meldung die Konkurrenz nervös. Denn für die Verleger an Rhein, Ruhr und Wupper ist die WAZ der große Angstgegner – nicht nur wegen ihrer als besonders rüde verschrienen Geschäftspraktiken, sondern auch wegen ihrer finanziellen Potenz. Ihre Inhaber und Herausgeber Erich Brost und Jakob Funke (die inzwischen das Eigentum auf ihre Erben übertragen haben) schluckten allein in den vergangenen zehn Jahren acht Ruhrgebiets-Zeitungen, darunter das Westdeutsche Tageblatt in Dortmund, den Duisburger Generalanzeiger, die Herner und die Wanne-Eickeler Zeitung, die Ruhrwacht in Oberhausen und, Ende dieses Jahres, den Hattinger Ruhr-Anzeiger.

Auf der sicheren Basis der immer wachsenden WAZ wurde zudem ein Gemischtwarenkonzern errichtet. Dazu gehört als zweiter Presseverlag die Düsseldorfer Welt am Sonnabend GmbH mit den Objekten „Neue Welt am Sonnabend und „frau – die aktuelle Illustrierte“. Dazu zählen auch die frühere Druckerei des Duisburger Generalanzeigers und eine Formulardruckerei, ferner die Autoschlösser-Firma Arn. Kiekert Söhne in Heiligenhaus, die Langeberg Kupfer- und Messingwerke mit ihrer 40prozentigen Beteiligung an der Berliner Kupferraffinerie, eine jeweils 25prozentige Beteiligung am Otto Versand und die Mehrheit an der Parten-Reederei, die das Autotransportschiff MS Cornelia betreibt.

Kein Wunder, daß jede weitere Expansion des Essener Hauses die Verlegerkollegen schreckt. Durch die Verhandlungen zwischen WAZ und Westfälischer Rundschau, die inzwischen beendet wurden, fühlte sich Florian Lensing-Wolff besonders betroffen. Denn seine Dortmunder Ruhr-Nachrichten, ein der CDU zumindest nicht fernstehendes Blatt mit einer verkauften Auflage von rund 230 000 Exemplaren, ist zwischen Mülheim und Unna verbreitet, einem Gebiet also, in dem auch WAZ und (oder) Westfälische Rundschau gelesen werden. Durch eine Beteiligung der WAZ an der Rundschau (verkaufte Auflage rund 220 000 Exemplare) und eine eventuell daraus folgende Kooperation der beiden Häuser auf dem Vertriebs- und Anzeigensektor wären die Ruhr-Nachrichten in eine schwierige Situation geraten.

Florian Lensing-Wolff reagierte prompt. Er führte ein Stadtgespräch und verabredete sich mit Rundschau-Geschäftsführer H. G. Müller zu gemeinsamen Verhandlungen. Die beiden Dortmunder Verleger kamen überein, drei Arbeitskreise zu gründen, in denen über eine vertriebliche Kooperation, eine Zusammenarbeit im Anzeigenbereich und über einen möglichen Abbau des überspitzten Wettbewerbs verhandelt werden sollte.