Von Rosemarie Fiedler-Winter

Monatelang standen viele Unternehmer kopf. Der Grund für die Aufregung: Ein neues Betriebsverfassungsgesetz verbesserte die Rechte von Angestellten und Arbeitern. Die neuen Regelungen legten aber in manchen Fällen auch nur schriftlich fest, was bereits in vielen Unternehmen praktiziert wurde. So etwa die Vorschrift des Paragraphen 93.

Unter der Überschrift „Ausschreibung von Arbeitsplätzen“ heißt es da: „Der Betriebsrat kann verlangen, daß Arbeitsplätze ... vor ihrer Besetzung innerhalb des Betriebes ausgeschrieben werden.“ Für fortschrittliche Großunternehmen ist das absolut nichts Revolutionäres. Sie gehen sogar weiter: Während das Gesetz Leitende Angestellte ausschließt, werden in der Praxis auch Führungspositionen oft vorrangig dem eigenen Personal angeboten.

Ein Beispiel hierfür ist das Haus Bosch: „Wir holen unsere Führungsleute aus den eigenen Reihen“, betont Vorstandsmitglied Karl Schreiber. Gleiches gilt für den Computer-Riesen IBM. So versichert Dieter-Peter Brandt, für die Personalpolitik des Produktionsbereiches Deutschland zuständig: „Die IBM hat den Grundsatz, Führungskräfte aus den eigenen Reihen heranzubilden.“

Die Begründung ist in beiden Unternehmen gleich: Sie sind mit den Mitarbeitern besser bedient, die den Firmenverband bereits kennen und sich nicht erst „einleben“ müssen. Auch bei Siemens, Bayer, Unilever und Bertelsmann werden ähnliche Argumente für die interne Rekrutierung vorgebracht.

Eberhard Schmidt, Vorstandsvorsitzender bei BBC, hat sich während seiner Zeit bei Nestlé im Schweizer Vevey durch den Aufbau eines internen Management-Nachwuchs-Systems einen Namen gemacht. So nimmt es nicht wunder, daß auch der Mannheimer Elektrokonzern große Stücke von diesem Weg der Suche nach Führungskräften hält.

Vor allem große Unternehmen legen Wert darauf, den Nachwuchs für gehobene Positionen zunächst in den eigenen Reserven zu suchen. Sie machen sich damit zunutze, was die Spencer Stuart Association so formulierte: Der Widerstand der Mitarbeiter gegen einen neuen Mann von außen ist erheblich. Denn 53 von 100 befragt ten Unternehmen klagten über Schwierigkeiten mit den Externen. Nur 20 gaben dagegen an, daß es auch bei internen Revirements zu Komplikationen kommen kann.