Die Kurse der festverzinslichen Papiere sind in diesen Tagen auf den Stand Oktober 1971 zurückgekehrt. Einzelne Realkreditinstitute bieten 7 1/2prozentige Papiere bei 10jähriger Laufzeit zu Ausgabekursen an, die eine Rendite von mehr als acht Prozent garantieren. Diese Papiere gehen nicht an die „kleine Sparerkundschaft“ sondern an Kapitalsammelstellen. Dem Publikum versucht man weiterhin siebenprozentige Emissionen zu Kursen schmackhaft zu machen, die längst nicht mehr marktgerecht sind.

Wieder einmal sind die „Männer und Frauen am Bankschalter“ in Gewissensnöte geraten. Auf der einen Seite werden sie gedrängt, die bislang noch nicht abgesetzten siebenprozentigen Anleihen (besonders des Volkswagenwerks und von RWE) an die Kundschaft zu verkaufen, auf der anderen Seite ist ihnen natürlich bekannt, daß sie hier „Ware“ zu einem überhöhten Preis absetzen sollen.

In den Kundeninformationen der Kreditinstitute wird die schlimme Lage des Rentenmarktes einfach totgeschwiegen. Der aufmerksame Leser muß zwischen den Zeilen lesen. So bei der Oldenburgischen Landesbank: „Wie es heißt, will man den Siebenprozenter verteidigen, ungeachtet der Tatsache, daß ältere, an der Börse gehandelte öffentliche Anleihen zur Zeit mit Renditen von 7 1/2 Prozent und mehr gehandelt werden können.“

Wie man verteidigen wird, werden wir, meine verehrten Leser, noch an diesem Wochenende erfahren, wenn der Zentrale Kapitalmarktausschuß getagt hat. Er sitzt auf einem Scherbenhaufen, für den er mitverantwortlich ist. Denn er hat mit der Festsetzung eines weit überhöhten Emissionsvolumens im März („Wir wollten den Markt testen“) den Zusammenbruch beschleunigt.

Einige Kreditinstitute versuchen gegenwärtig, auch unter Inkaufnahme von Verlusten siebenprozentige Neuemissionen an den Mann zu bringen. Entweder brauchen sie Liquidität oder sie handeln nach dem Motto „Die ersten Verluste sind die kleinsten“, denn sie fürchten, daß der Markt schon sehr bald zum Achtprozenter zurückkehren wird. Für die Banken kommt als Belastung hinzu, daß bei den auf Mark lautenden Auslandsanleihen die Stimmung schlechter geworden ist. Bisher wurden diese Emissionen bis zu 80 Prozent von Ausländern erworben. Jetzt läßt das Interesse der Ausländer nach. Für sie sind Franc- und Pfund-Anleihen mit zum Teil höherer Verzinsung ebenfalls interessant geworden.

Für die Praktiker am Rentenmarkt war es schon in der vergangenen Woche klar: Es geht längst, nicht mehr um den Siebenprozenter – er ist tot –, sondern darum, ob noch ein Versuch mit dem 7 1/2prozentigen Typ gewagt werden kann oder ob es nicht vernünftiger ist, sofort zum Achtprozenter zurückzukehren.

Der vorsichtige Übergang zum 7 1/2prozentigen Typ hätte zweifellos den Vorteil, daß der Kursverfall weniger abrupt wäre als bei der sofortigen Rückkehr zum Achtprozenter. Aber man sollte sich davon nicht zu viel erhoffen. Der Zins wird nicht am grünen Tisch, sondern am Markt gemacht. Deshalb spricht vieles für eine scharfe Heraufsetzung des Nominalzinssatzes auf acht Prozent. Denn dann besteht eine gewisse Chance, diesen Typ auch erfolgreich verteidigen zu können. Der 7 1/2prozentige Nominalzins fordert nach meiner Ansicht zum Attentismus der Anleger geradezu heraus. Sie werden sich sagen, daß eine konsequente Zurückhaltung beim Kauf festverzinslicher Papiere diesen Typ ins Wanken bringen muß.