Wer will das Ladenschlußgesetz zu Fall bringen?

Von Wolfgang Hoffmann

Anklagend meint Walter Wichmann, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Selbstbedienungswarenhäuser: „Nur in Deutschland steht der Büttel vor der Ladentür und schreibt vor, was man zu tun hat.“ Er prangert damit jenes Gesetz an, das die Verbraucher zwingt, werktags bis 18.30 Uhr einkaufen zu müssen.

Der Sprecher der Karlsruher Wertkauf GmbH, Döhmann, schimpft nicht minder rüde über das deutsche Ladenschlußgesetz, das die Händler zwingt, pünktlich ihre Läden dichtzumachen: „Bei uns ist das einmalig blöde in Europa. Wir sind die ersten, die das zu Fall bringen würden.“

Zu Fall bringen möchte das seit 1956 geltende Ladenschlußzeitengesetz auch Peter Hönisch, Mitinhaber der Bonner PR-Agentur Hönisch und Hass. Seit Wochen schon mobilisiert Hönisch Gegenkräfte, um die Front der Ladenschlußhüter mit PR-Methoden aufzubrechen.

Die Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzelhandels (HDE) hält die PR-Aktionen von Hönisch für so gefährlich, daß Einzelhandelssprecher Hubertus Tessar massives Geschütz gegen die Agentur auffuhr. Tessar argwöhnt eine „Unterhöhlung unserer demokratischen Ordnung“, weil Hönisch „an der öffentlichen Meinung eine Gehirnwäsche“ vornehme.

Mit seinen Attacken gegen „Gehirnwäscher“ Hönisch überzog, der zungenfertige Tessar freilich selbst die üblichen Formen demokratischer Diskussion, zumal die derzeit geltenden Ladenschlußzeiten keineswegs auf eine breite demokratische Mehrheit zurückgehen. Von 493 Abgeordneten des Bundestags stimmten 1956 nur 153, also knapp ein Drittel des Parlaments, für das Gesetz. Über 200 Parlamentarier waren der Abstimmung ferngeblieben, und von den anwesenden Abgeordneten stimmten noch immer 129 dagegen. Das Ladenschlußgesetz ist mithin nur einer Zufallsmehrheit zu verdanken.