Während an der Londoner Börse Enttäuschung über die ausgebliebene Reaktion auf die Verkündung der Steuererleichterungen eingezogen ist, marschieren englische Konzerne, Investmentfonds und private Anleger auf die europäischen Börsenplätze. In führenden englischen Wirtschaftskreisen weiß man allzu gut, daß es für das Vereinigte Königreich zu spät ist, mit eigenen Niederlassungen auf dem Kontinent einen wesentlichen Einfluß auf die europäische Wirtschaftsentwicklung nehmen zu können. Die Alternative heißt: Beteiligung.

Seitdem. feststeht, daß Großbritannien Mitglied der EWG wird, versuchen englische Unternehmen, möglichst starke Positionen aufzubauen, von denen sie sich gegen die scharfe europäische Konkurrenz wehren können. Dazu gehört der Kauf von Aktien ausgesuchter Unternehmen, um bei eventuellen Fusionen mitreden zu können. Von dieser Aktivität profitierten in den vergangenen Wochen fast alle europäischen Börsen,

Das verstärkte englische Engagement – darunter auch englische Pensionsfonds – hat einen angenehmen. Nebeneffekt hervorgerufen. Die inländischen Anleger fassen Fuß, sobald sie bemerken, daß der Kurs-Zug in Bewegung gerät. Auf Grund dieser Entwicklung konnte sich die zögernde Kurserholung an der Pariser Börse in eine starke Hausse ausweiten. Sämtliche Werte, die in unserer Tabelle enthalten sind, spiegeln die Kauffreudigkeit wider. Die weiteren Perspektiven werden in Paris mit Zuversicht beurteilt.

Eine der interessantesten Entwicklungen zeichnet sich zur Zeit an der italienischen Börse in Mailand ab. Nachdem die Kurse 1970 um 19 Prozent und 1971 um 17,5 Prozent gefallen waren, beginnen sie – zum erstenmal seit 13 Jahren – auf breiter Front wieder zu steigen.

Völlig unbeeinflußt vom englischen Manöver blieben die Kurssteigerungen in Tokio und in der Wall Street. Das populäre Börsenbarometer, der Dow Jones, der in Tokio und in New York die Kursentwicklung stabiler Standardwerte mißt, beflügelte in den vergangenen Wochen die „Techniker“ an Reißbrettern und Computern. Während der japanische Dow Jones über 3300 Punkte anstieg, konnte der New Yorker Dow Jones nun endlich die zähe Widerstandslinie: von 950 Punkten nach oben durchstoßen.

Doch der Dow Jones täuscht über die Tatsache hinweg, daß die Indices für die anderen amerikanischen Werte den Wertzuwachs der 30 Standardwerte, die vom Dow Jones gemessen werden, längst überholt haben und neuen Gipfeln entgegenstreben. Von vielen Anlegern unbemerkt hat zum Beispiel eine Renaissance der amerikanischen Computerwerte eingesetzt. Einen der spektakulärsten Erfolge verzeichnete die in unserer Tabelle enthaltene Control-Data-Aktie, die von 34 Dollar im Herbst 1971 auf derzeit 67 Dollar anstieg. Selbst der Branchenriese IBM erzielte einen neuen Höchstkurs mit 397 1/2 Dollar. jfr.