Lübeck

Unter einer etwa 25 Meter langen Plane liegt auf dem Gelände der Schlichting-Werft in Travemünde seit 1967 das teuerste Wrack der Bundesmarine: Ein Tragflügelboot, dessen Bau im Auftrage des Verteidigungsministeriums begonnen worden war, um die militärische Eignung von Tragflächenbooten im praktischen Betrieb zu beurteilen. Die Technik war offenbar schneller, als man erwartet hatte. 1967 wurde der Weiterbau eingestellt. Seit dieser Zeit ist das planverdeckte Schiff den Lübecker Bürgern und nachdenklichen Sommergästen ein Ärgernis.

Dies Ärgernis schlug sich in verschiedenen Interventionen der beiden Lübecker Bundestagsabgeordneten, Helmut Wendelborn (CDU) und Björn Engholm (SPD), nieder. Das Bundesverteidigungsministerium fand dazu jedoch nur tröstende Worte. Zuletzt erklärte der parlamentarische Staatssekretär Karl Berkhan, es liege nun eine Konzeption vor, nach der das Boot weitergebaut werden könne. Allerdings werde zur Zeit noch geprüft, ob das bei der Schlichting-Werft im Bau befindliche Tragflächenboot eine „echte Alternative“ gegenüber ausländischen Konstruktionen darstelle.

Mit der „echten Alternative“ ist es dann wohl doch nichts gewesen. Die Travemünder haben jedenfalls bisher vom Weiterbau nichts gemerkt. Über die bisherige Höhe der Planungs- und Baukosten ist natürlich offiziell nichts zu erfahren. An der Ostseeküste weiß man jedoch ganz gut Bescheid. Annähernd zehn Millionen Mark soll die bisherige Investition betragen. Und viele, die das planverdeckte Geheimnis liegen sehen, erinnern sich an den alten Rühmann-Filmtitel „Fünf Millionen suchen einen Erben“.

Nun wird man wohl gerechterweise zugeben müssen, daß eine Fehlentwicklung nicht gegen die Notwendigkeit von Entwicklungen spricht. Aber ebenso verständlich sollte sein, daß aus Fehlentwicklungen auch Konsequenzen gezogen werden. Wracks, so meint man in Travemünde, gehören nicht „auf Eis gelegt“. An der Ostseeküste müssen Bevölkerung und Besucher auch sonst schon seit vielen Jahren viel Verständnis für Entwicklungen und ihre fehlerhaften Kehrseiten haben. Eberhard Lindow,

Lokalredakteur der „Lübecker Nachrichten“