Chiles Präsident, Salvador Allende, fand zur Eröffnung der dritten Handels- und Entwicklungskonferenz der Vereinten Nationen (UNCTAD) in Santiago starke Worte: Die Millionen Menschen der Dritten Welt würden nicht ewig auf Hilfe und Zusammenarbeit warten, nicht ewig eine Weltordnung akzeptieren, die Reichtum und Armut zu Gunsten der heute Besitzenden zementiere.

Santiago droht zum Tribunal zu werden. Die Entwicklungsländer haben sich mit dem moralischen Recht des Armen zum erbitterten und verbitterten Ankläger aufgeworfen. Im Angesicht des Hungers fällt dem Satten Schelte schwer. Freilich: Wenn die Kredite der Industrienationen nicht Almosen bleiben sollen, müssen die Länder der Dritten Welt das ihre dazu beitragen. Daran hat es in allzu vielen Fällen gefehlt. Wer bettelt, verdient nicht immer Mitleid. Wer aber anklagt, darf die eigenen Fehler nicht übersehen.

Niemand kann die Dritte Welt daran hindern, die Torheiten der Industriestaaten zu wiederholen. Wenn sie jedoch die Erste und die Zweite Welt anklagen, müssen sie sich auch sagen lassen, daß der indisch-pakistanische Krieg mehr Bereitschaft zur Entwicklungshilfe zerstört hat, als zehn Jahre geduldigen Werbens aufbauen konnten. Wo beide Seiten schuldig geworden sind, ist ein Tribunal nicht am Platze. H. B.