Das Bild ist noch unvergessen: Theodor Heuss, von Oxforder Studenten, Hände in den Hosentaschen, skeptisch betrachtet wie ein Wesen von einem feindlichen Stern. Keine britische Regierung hätte damals davon geträumt, einen deutschen Staatsmann bei der Königin auf Schloß Windsor einzuquartieren.

Unverkennbar der Wandel, der seither im Verhältnis beider Völker eingetreten ist: Willy Brandt kommt diese Woche mit seiner Frau nach Großbritannien, kein Staatsoberhaupt, ein Kanzler nur. Doch was Kaisern, Königen und Präsidenten vorbehalten bleibt, wird ihm zuteil, dem ersten deutschen Politiker, der seit dem Kriege ohne Vorbehalt anerkannt ist. Die Ehrung gilt der Person vor allem – aber natürlich auch der Bonner Politik, die ja für Englands Geschick von großer Bedeutung geworden ist. So sehr man offiziell das Gelingen des Beitritts zum Gemeinsamen Markt dem endlichen Ja des Präsidenten Pompidou zuschreibt, so genau weiß jedermann in Whitehall und Westminster, wo jahrelang die wirklichen und unermüdlichen Förderer dieser Sache gesessen haben: in Bonn, im Haag und in Rom. Auch die Entspannungspolitik Brandts trägt zu dem Ansehen bei, auf das er jetzt in England zählen darf. K.-H. W.