Wirtschaft

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DIE ZEIT

Falsche Adresse

Chiles Präsident, Salvador Allende, fand zur Eröffnung der dritten Handels- und Entwicklungskonferenz der Vereinten Nationen (UNCTAD) in Santiago starke Worte: Die Millionen Menschen der Dritten Welt würden nicht ewig auf Hilfe und Zusammenarbeit warten, nicht ewig eine Weltordnung akzeptieren, die Reichtum und Armut zu Gunsten der heute Besitzenden zementiere.

Gast in Windsor

Das Bild ist noch unvergessen: Theodor Heuss, von Oxforder Studenten, Hände in den Hosentaschen, skeptisch betrachtet wie ein Wesen von einem feindlichen Stern.

Zusage in Sofia

Erich Honeckers achttägiger Aufenthalt in Moskau hat sich für die Bundesrepublik anscheinend gelohnt. Seine Mitteilung in Sofia, die DDR werde „nach der Ratifizierung“ der Verträge von Moskau und Warschau durch den Bundestag „in einen Meinungsaustausch über die Herstellung normaler Beziehungen“ zu Bonn eintreten und „die hierfür erforderlichen völkerrechtsmäßigen Vereinbarungen“ treffen, macht klar: Wenn es überhaupt innerdeutsche Fortschritte geben soll, werden sie nur über den Moskauer Vertrag möglich sein.

Niedertracht aus der Dunkelkammer

Nichts ist der Demokratie gefährlicher als die Demagogie. Verfassungsartikel und Gesetzesparagraphen sind wichtig, doch sie sind nicht alles.

Politik mit Bomben

Vor sieben Jahren versprach der angriffslustige US-Luftwaffengeneral Curtis LeMay, Nordvietnam „in die Steinzeit zurückzubomben“.

ZEITSPIEGEL

Bundesaußenminister Scheel würzt seine Wahlreden in Baden-Württemberg mit folgender Schilderung des von der CDU angebotenen Wahlkampfmenüs: Als Vorspeise brühwarmes Eigenlob, als Hauptgänge hartgesottene Bedenken mit Phrasensoße, echtes Anliegen nach Sonntagsrednerart, dazu weiche Standpunkte mit unausgegorenen und eingelegten Widersprüchen, als Dessert Gemeinplätzchen, Käse und kalten Kaffee.

Der stille Freund der Union

In schwerer Zeit hat die CDU einen stillen Freund gefunden. Als sie im Wahlkampf wegen der Ablehnung der Ostverträge in Bedrängnis geriet, stellte ein unbekannter Helfer aus den bisher noch geheimgehaltenen Gesprächsnotizen zum Moskauer Vertrag einen Auszug zusammen, ordnete oder fälschte die Zitate so, daß die Befürchtungen der CDU bestätigt schienen, verschickte dieses Papier an einige CDU-Bundestagsabgeordnete und gab damit dem Oppositionsführer am letzten Mittwoch beim Gespräch mit dem Kanzler Gelegenheit zu einem wirkungsvollen Auftritt: Rainer Barzel fragte Brandt im Stande der Unschuld und in demonstrativer Unkenntnis, was es denn mit diesem seltsamen Dokument für eine Bewandtnis habe.

ist dies die zentrale Frage. Generalsekretär Flach erläutert, warum die Freien Demokraten zwischen den beiden großen Parteien eine notwendige Funktion haben.: „Partei mit Mut und Maß“

Frage: Die Idee des Liberalismus hat hierzulande nie große Resonanz gefunden. Christliche Lehren und idealistische Philosophien mit ihrer starken Tradition bildeten einen breiten Strom konservativer, Kräfte, während gegenwärtig materialistische Ideologien oder marxistische Theorien die progressiven Gruppen binden.

Warten auf Beweise

Sosehr mittlerweile auf der Hand liegt, daß es bei der Charter-Fluggesellschaft Pan International besonders mit der Technik haperte der Absturz einer ihrer Maschinen mit 22 Todes-, opfern also nicht von ungefähr gekommen sein kann –, so ungeklärt sind bis heute die Beziehungen zwischen dem SPD-Fraktionsgeschäftsführer Wienand und Paninter und die Finanz-Transfers Zwischen beiden Seiten.

Wahl ohne Wunder

Nach altem Wahlkampfmuster reden Politiker und Journalisten auch diesmal wieder von einem Kopf-an-Kopf-Rennen. Umfrage-Ergebnisse in Baden-Württemberg scheinen dieses Urteil zu stützen.

Wer soll die Wahrheit suchen?

Es ist gut zehn Jahre her, da konnte: man hierzulande noch Rechtspolitik mit dem Schlagwort machen: "Bei uns wird zuviel verhaftet.

Wilson im Abseits

Mit einiger Dankbarkeit haben die Anhänger der britischen Linken zu Beginn dieser Woche das Verkehrschaos beobachtet. Zeitungsleser und Fernsehzuschauer hatten nur Augen und Ohren für Meldungen über den Fortgang des Eisenbahnerstreiks oder dessen Ende.

Aspirin für Europa?

Die europäische Solidarität, für die Bundeskanzler Brandt bei ihnen geworben hätte, praktizierten die Konferenzteilnehmer bereits kurz darauf: Als Dick Taverne, bis vor wenigen Tagen Mitglied des Labour-Schattenkabinetts, die Gründe für seinen Rücktritt und seine Absage an die europafeindliche Politik Wilsons erläuterte, erklärten sich die Zuhörer durch langanhaltenden Beifall mit ihm solidarisch.

Gromykos Gretchenfrage

Der sowjetische Außenminister Gromyko hat mit einer Rede vor den Auswärtigen Ausschüssen des Obersten Sowjets, mit der in Moskau die Ratifizierung des deutsch-sowjetischen Vertrages eingeleitet wurde, die ostpolitischen Illusionisten der Bonner Opposition wieder auf den Boden der Realitäten zurückgeholt.

Nur ein Türöffner

Der Düsseldorfer Regierungschef und derzeitige Bundesratspräsident Heinz Kühn verleugnet nicht die heimliche Liebe zur Außenpolitik.

Nixons neuer Mann

Eine glückliche Fügung kann man es nennen, daß der Millionär David Packard seinen Dienstherrn Melvin Laird um die Entbindung vom Amt des stellvertretenden Verteidigungsministers bat.

Ritual der Mai-Parolen

Zu den Ritualen kommunistischer Gesellschaften gehört es, bei Jubiläen von Staat und Partei oder zu ähnlichen Anlässen sogenannte Losungen zu veröffentlichen, ein halbes Hundert oder mehr.

Radio GAP und noch mehr Rätsel

Ein Staatsanwalt mit entsicherter Pistole stürmte zusammen mit Polizisten die Behausung des Verdächtigen in einem Vorort von Mailand.

Spitzel lauern überall

Türkische Tragödie: Parlament und Militär im Widerstreit / Von Nina Grunenberg

Erbe gesucht

Unter einer etwa 25 Meter langen Plane liegt auf dem Gelände der Schlichting-Werft in Travemünde seit 1967 das teuerste Wrack der Bundesmarine: Ein Tragflügelboot, dessen Bau im Auftrage des Verteidigungsministeriums begonnen worden war, um die militärische Eignung von Tragflächenbooten im praktischen Betrieb zu beurteilen.

Pause für die Puppen

Den Münchner Behörden ist gelungen, was kaum jemand für möglich hielt: dem ältesten Gewerbe der Welt eine neue Variation abzutrotzen.

Nur Nummern

Beim Studium der Geodäsie erwarb er das mathematische Grundwissen, als Kunststudent grübelte er über repressive Formen der Lustempfindung, als Leiter der „Privaten Numerierungsstelle Horst Brunsiek, 3 Hannover, Bronsartstraße 40“ stiftete er Unruhe unter seinen Mitmenschen.

Ulk mit Ulrike?

Ulrike Meinhof ist tot.“ Mit dieser Eilmeldung, überraschte die Deutsche Presse-Agentur ihre Telex-Kunden am 15. Juli letzten Jahres.

Auf eigene Faust

Hermann Julius Bischoff ... reorganisierte ... im Teamwork mit anderen Kollegen unser Taschenbuchlager und erreichte ... einen rationellen und optimalen Arbeitsablauf .

Krisenherde der Woche

Nach 13 Monaten Amtszeit ist der türkische Ministerpräsident Nihat Erim am Montag zurückgetreten und hat die Geschäfte bis zur Regierungsneubildung, die laut Verfassung innerhalb von 14 Tagen erfolgen muß, Verteidigungsminister Ferit Melen übergeben.

Dokumente der ZEIT

200 Jahre offiziöse Ignoranz und Verachtung gegenüber Slawen und Polen, verstärkt durch antikommunistische Propaganda und Erziehung, sind tief im Bewußtsein der Deutschen in der Bundesrepublik verankert.

Bonn: Streit um Protokolle

Die Auseinandersetzung zwischen Regierung und Opposition um die Ostverträge ist um eine „Enthüllung“ reicher: Ein unbekannter Absender schickte an mehrere Politiker, darunter den CDU-Vorsitzenden Barzel, angebliche Auszüge aus den Protokollen zum Moskauer Vertrag.

Die Dritte Welt klagt an

Chiles Präsident Salvador Allende – selbst unter schwerem innenpolitischen Druck wegen der chilenischen Wirtschaftsmisere – eröffnete am Donnerstag voriger Woche die dritte Welthandels- und Entwicklungskonferenz (UNCTAD) in Santiago mit einer harten Attacke gegen die Industrieländer.

Haushalt 1972: Kritik der Union

Im Haushaltsausschuß des Bundestages wurden in der vergangenen Woche die Weichen für eine scharfe Auseinandersetzung zwischen Regierungskoalition und Opposition Ende April im Plenum des Bundestages gestellt.

Wieder Bomben auf Hanoi

Zum erstenmal seit vier Jahren flogen US-Bomber am Wochenende wieder Angriffe auf die nordvietnamesischen Städte Hanoi und Haiphong.

Trivialität im Fernsehen

Der Haken ist nur, daß die deutsche Konstruktion des Fernsehens als öffentlich-rechtliche Anstalt den Fernseh-Machern eine edukatorische Verpflichtung auferlegt.

Der Reisende ins Gestern

Anmerkungen zu der Welle der Wiederbelebungsversuche an Ludwig II., König von Bayern

Die Parteien und die Schule

Der bildungspolitische Graben zwischen der CDU/CSU einerseits und der SPD und FDP auf der anderen Seite ist breit und tief. Seit eineinhalb Jahren versuchen die Kontrahenten vergeblich, zu einem Konsens zu kommen.

Ruhiger Seegang

Am 4. Dezember 1968, mitten in der Zeit der Studentenbewegung, scheiterte die Uraufführung von Henzes Oratorium „Das Floß der Medusa“.

DIE NEUE SCHALLPLATTE

Irgendwann mußte dies Doppelalbum kommen: Der gegenwärtig beste Komponist und Interpret von Country-Songs – Merle Haggard – singt und spielt die Lieder des legendären, 1933 gestorbenen Jimmie Rodgers, jenes John Ford der Country Music, der Amerikas ureigenste Folklore zu einer authentischen Volkskunst machte.

Argumente für und gegen: Die F.D.P.

Der Versuch, eine Darstellung der drittgrößten deutschen Partei „feuilletonistisch“ auf sechs Argumente dagegen und sechs Argumente dafür zu reduzieren, hat seinen Sinn dort, wo er nicht allein steht; wo es in der Nachbarschaft über diese Partei und ihre Konkurrenten auch anderes, Ausführlicheres zu lesen gibt.

ZEITMOSAIK

Vom Sommer 1973 an soll Friedrich Dürrenmatt als Nachfolger von Harry Buckwitz das Schauspielhaus in Zürich leiten. Der Verwaltungsrat hat ihn jedenfalls für dieses Amt gewählt, und es ist kaum anzunehmen, daß Dürrenmatt, der sich bisher noch nicht geäußert hat, das Amt ablehnen wird.

FILMTIPS

Im Fernsehen: „Ganga Zumba“ (Brasilien 1963), von Carlos Diegues (Hessen III 21. April), erscheint auf den ersten Blick als eher unterkühlter Historienfilm mit idyllischen Passagen.

Kunstkalender

Lil Picard, New Yorker Malerin und Kritiker rin, die zusammen mit der GEDOK Hamburg die Ausstellung organisiert hat, sprach von einem historischen Ereignis, vergleichbar dem ersten Auftreten der abstrakten expressionistischen Amerikaner in den 50er Jahren im Pariser „Musée National d’Art Moderne“.

Dr. h. c. Reich-Ranicki

Am 2. Juni dieses Jahres wird die UniversitätUppsala, so hat sie durch den Germanisten Professor Lars Hermodsson verlauten lassen, Marcel Reich-Ranicki, seit 1960 Literaturkritiker dieser Zeitung und mit mir seit Jahren freundschaftlich verbunden, die Würde eines Ehrendoktors verleihen: in erster Linie wegen seiner Verdienste um die westdeutsche Literatur, zu deren Profilierung er entschieden beigetragen habe, und wegen des Engagements, mit dem er, anknüpfend an die Praktiken der radikalen Kritik in den zwanziger Jahren, eine aufklärerische Tradition neu belebt und der Rolle des Kunstrichters wieder Geltung und Respekt verschafft habe.

Bildung als Erziehung

Am 9. April ist Professor Saul B. Robinsohn, M. A., Ph. D., seit 1964 Direktor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin, Präsident der „Comparative Education Society in Europe“, im Alter von 55 Jahren plötzlich einem Herzversagen erlegen.

Ein Feind des Dilettantismus

Da das Schreiben eines unserer stets wiederkehrenden Gesprächsthemen war, frage ich mich, ob er, Kurt Marek, mir zustimmen würde.

KRITIK IN KÜRZE

„Davon kommst du nicht los“, Gedichte von Günter Radtke. Diese Verse suchen ihre Modernität in der Präzision des Wirklichkeitsbildes und in aphoristischer Knappheit, nicht in der Trennung des Wortes von seinem Inhalt.

Idyll und Totentanz

Tibor Déry, der berühmte, jetzt siebenundsiebzigjährige Erzähler, lebt mit seiner jungen Frau, einer Schauspielerin, im Pasareti-Viertel in Budapest, unweit Janos Kadars Residenz, und im Sommer auf seinem Besitz am Plattensee.

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