So habe ich denn an Rilke etwas gutzumachen. Infolgedessen sage ich: „Pardon.“ Und ich sage es auf französisch, weil es in Frankreich war, daß ich mich gegen ihn versündigt habe. (C’est en France que je l’ai trahi.)

Als neulich im Jardin du Luxembourg zu Paris die Jugend sich unbedingt zwischen die Blumen setzen und im Bassin baden wollte, da habe ich als Augenzeuge Betrachtungen über den Zustand dieses berühmten Gartens angestellt, der plötzlich polizeilich geschlossen wurde. Alles still. Keine Eselchen trippelten kopfnickend einher. Auch jenes Kinder-Karussell drehte sich nicht mehr, das uns Deutschen so lieb schon deshalb ist, weil Rilke ein Gedicht darüber machte. Und da ließ ich mich hinreißen, den Dichter hinsichtlich des weißen Elefanten zu zitieren, der im Karussell sowie in dem Gedicht eine hervorragende Rolle spielt. Mein Zitat war jedoch leider falsch. Ich hätte nicht „ab und zu“ schreiben sollen, das klingt so gewöhnlich, sondern „dann und wann“, und jetzt kriege ich’s schriftlich von allen Seiten, sogar aus München und aus Minneapolis, Minn. 55407, USA. Und dabei habe ich noch Glück gehabt. Denn wenn ich „ab und an“ geschrieben hätte, dann hätte dies noch gewöhnlicher geklungen. Nicht wahr?

Das sei keine Entschuldigung? Na, dann nicht!

Ich hätte im Buch nachsehen sollen, wenigstens in „Rainer Maria Rilke: Der ausgewählten Gedichte erster Teil, Insel-Bücherei Nr. 400“. Das Büchlein ist nämlich hinter meinem Rücken im Regal greifbar, es wiegt fast nichts; ich hätte mich nur herumzudrehen brauchen im Stuhl vorm Schreibtisch. Auch die Nummer 400 ist leicht zu behalten und stellt keine Probleme. Das alles macht meine Schuld nur noch größer. Ich war mir zu sicher: Das war meine Dummheit. Es ist dies eine Dummheit, die heutzutage allerdings weit verbreitet ist.

Und nun will ich von der Zerknirschung zur Wiedergutmachung übergehen.

Wenn wir das Rilke-Karussell im Jardin du Luxembourg betrachten, so müssen wir feststellen, daß zwar das Gedicht frisch geblieben ist, das sich drehende Getier jedoch nicht. Das ist besonders im Hinblick auf die deutschfranzösische Freundschaft beklagenswert. Autrement dit: Das Karussell hinkt hinter den Ereignissen her. Wir Deutsche haben es von einem unserer besten Dichter besingen lassen, und die Franzosen lassen es einfach vergammeln. Helàs!

Rilke erwähnt einen „Bestand von bunten Pferden“, wir aber sehen, daß die Farbe abgeplatzt ist und manchen Tieren ein Stück Bein fehlt.