Das Beispiel der arabischen Ölscheiche scheint Schule zu machen. Sie diktierten im vergangenen Januar den internationalen Ölgesellschaften Preiserhöhungen, ohne sich lange auf Verhandlungen einzulassen. Jetzt fanden diese Praktiken auf einem anderen Rohstoffmarkt Nachahmer: Die Kaffeeproduzenten Südamerikas und Afrikas wollen künftig die Preise für ihre Ware ebenfalls selbst bestimmen, um von den Abnehmerländern unabhängiger zu werden.

Wie die Ölherren setzten sich die Kaffee-Exporteure in Genf zusammen, um eine gemeinsame Strategie zu vereinbaren. Auch der Anstoß für die konzertierte Aktion war bei Petroleum und Kaffeebohnen gleich: Die Dollarabwertung hatte den Kaffeeländern beträchtliche Erlöseinbußen beschert, weil die Abnehmer die geforderte Preiserhöhung (0,14 Mark für 450 Gramm) ablehnten.

Die Einigung von Genf kam überraschend schnell zustande. Mehr als 85 Prozent der weltweiten Kaffee-Ernte soll künftig einer einheitlichen Marktregulierung unterworfen werden. Sie soll vor allem bei einer reichen Ernte den bisher drohenden Preisverfall verhüten, unter dem besonders die Länder leiden, deren Außenhandel weitgehend auf den Rohstoff Kaffee beschränkt ist.

Um den Kaffeepreis künftig zu regulieren, wollen die Produzenten nach jeder Ernte Kaffee-Exportquoten festsetzen. Eine noch zu gründende Gesellschaft soll Überschüsse aufkaufen und bei günstigerer Marktlage wieder abstoßen. Somit würden die Preise auch nach oben stabilisiert. Weiteres Ziel der konzertierten Aktion: die Einführung differenzierter Preise auf den verschiedenen Märkten.

In London, einem der wichtigsten Umschlagplätze für die grünen Bohnen, wurde die Nachricht aus Genf jedoch gelassen aufgenommen. Denn vorerst haben die Importeure noch ihre Zweifel, ob die Eintracht des Genfer Kaffee-Kartells lange anhalten wird. Im Mai sollen auf die Reden von Genf Taten folgen. Dann setzen sich die Kaffee-Exporteure in Paris erneut an einen Tisch, um konkrete Maßnahmen zu beschließen. smi