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Hamburg Bis zum 14. Mai, Kunsthaus: „American Woman Artist Show“

Lil Picard, New Yorker Malerin und Kritiker rin, die zusammen mit der GEDOK Hamburg die Ausstellung organisiert hat, sprach von einem historischen Ereignis, vergleichbar dem ersten Auftreten der abstrakten expressionistischen Amerikaner in den 50er Jahren im Pariser „Musée National d’Art Moderne“. Diesmal sind es die amerikanischen Künstlerinnen, die sich in Hamburg erstmals dem europäischen Publikum präsentieren. Die Frauenshow steht im Zusammenhang mit den zahlreichen Protestaktionen der Women-Lib-Bewegung, die sich vorwiegend in New York abspielen. Kürzlich, am 12. April, zogen 300 Künstlerinnen vors „Museum of Modern Art“, um ihren Anspruch auf Einlaß, auf Anerkennung, Gleichberechtigung anzumelden. Daß die Frauen, nicht nur in der amerikanischen Kunstszene, unterpräsentiert sind, läßt sich schlechterdings nicht bestreiten. Auf der documenta wird der Anteil der Künstlerinnen voraussichtlich zwischen 1 und 2 Prozent betragen. Für die 70er Jahre rechnen die Frauen mit einer grundlegenden Verbesserung ihrer Position, und die Hamburger Ausstellung ist durchaus geeignet, solche Prognosen sachlich zu fundieren, Denkanstöße in dieser Richtung zu vermitteln, Vorurteile und männliche Überwertigkeitskomplexe auszuräumen. Keine Rede kann heute noch davon sein, daß die Frauen der Entwicklung hinterherlaufen, daß sie mit kunstgewerblichem Fleiß aus den Einfällen ihrer männlichen Kollegen nette kleine Bildchen für den Hausgebrauch häkeln. Vor allem aber erweist sich die Vorstellung von einer typisch weiblichen Kunst (wenn es so etwas je gegeben hat) als gänzlich überholt und revisionsbedürftig. Weder thematisch noch im Problembewußtsein noch in der formalen oder intellektuellen Konsequenz lassen sich Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Künstlern konstatieren. Die Ausstellung spiegelt die Totalität, die Heterogenität der New Yorker Kunstszene. Das geht von der politisch tendierten Gesellschaftskritik und dem Radikalrealismus zur lyrischen Abstraktion, von der Materialkollage zur Diaprojektion und zum Environment. Das Niveaugefälle versteht sich von selbst, wenn annähernd 50 Künstler aus einer Stadt, Männer oder Frauen, vorgestellt werden. Und es spricht gegen unseren Kunstbetrieb, daß nur eine einzige, die älteste Künstlerin, nur Louise Nevelson sich international durchsetzen konnte.

Köln Am 27. und 28. April, Kunsthaus Lempertz (Auktionsuorbesichtigung vom 19. bis zum 26. April): „Kunst des XX. Jahrhunderts“

Auffällig an der Frühjahrsauktion und symptomatisch für die Materialverknappung ist der Mangel an Spitzenobjekten. So muß wieder einmal Nolde das Geschäft stimulieren. Sein „Akt im Wasser“ von 1906 hält mit 120 000 Mark den höchsten Schätzpreis, gefolgt von einem Nolde-Blumenstück („Roter Mohn“ für 90 000 Mark, beide Gemälde aus der renommierten Sammlung Rump) und einem Montmartrebild von Utrillo aus der weißen Periode, das 75 000 Mark bringen soll. Auf der nächsttieferen Preisstufe von etwa 50 000 Mark werden zwei extrem unterschiedliche Werke angeboten: ein Gartenrestaurant von Liebermann und „Die impotenten Wasserfälle“ von Hundertwasser, ein Aquarell, das er 1963 auf zwei Briefumschläge gemalt hat. Halb so hoch sind die Bilder des immer noch recht unbekannten deutschen Expressionisten Philipp Bauknecht angesetzt. Bei der Graphik liegt der Akzent diesmal auf dem Surrealismus. Ungewöhnlich umfangreich, mit immerhin 60 Katalognummern wird Max Ernst angeboten, darunter die „Sphinx“ von 1939, eine lithographierte Collage für 1800 Mark, die „Maximiliana“ sind in mehreren Fassungen vorhanden, die neuen Radierungen von 1970 liegen knapp unter 2000 Mark. Von Dali gibt es die kompletten Serien des „Zirkus“ und der „Tierkreiszeichen“ von 1967, auch Delvaux, Bellmer, Leonor Fini sind mit interessanten Blättern vertreten. Ein Beweis, wie rasch neue Editionen heute zum Auktionator gelangen: zwei von den Dürer-Hommages des Propyläen Verlags kann man bei Lempertz (Schätzpreis je 600 Mark) bekommen, den „Lindenbaum“ von Fabricio Clerici und die „Wurzel-Melencolia“ von Gerhard Altenbourg.

Gottfried Sello

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