Die Vorgänge um die Ausreise des griechischen Professors Georgios Mangakis haben zu einer schweren Verstimmung zwischen Bonn und Athen geführt. Bonn hat am Wochenende einem Athener Ersuchen stattgegeben und Botschafter Peter Limbourg abberufen, der – so die regimefreundliche Zeitung Eleftheros Kosmos – durch die „Entführung“ Mangakis’ zusammen mit dem amerikanischen Botschafter Henry Tasca die „griechische Souveränität in bisher beispielloser Weise“ verletzt habe. General Pattakos, stellvertretender Regierungschef, äußerte sich noch massiver: Er sprach von einem „unvergleichlichen Gangsterstück“.

Mangakis hatte vor vierzehn Tagen für acht Monate Haftverschonung aus Gesundheitsgründen erhalten; wegen Zugehörigkeit zu einer Widerstandsorganisation war er 1970 zu 18 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Am 15. April flog das Ehepaar Mangakis in einer Bundeswehrmaschine vom amerikanischen Teil des Flughafens in Athen in die Bundesrepublik ab. Botschafter Limbourg, der unterdessen einen Herzanfall erlitt, verabschiedete das Ehepaar.

Das Auswärtige Amt in Bonn wies alle griechischen Vorwürfe in scharfer Form zurück. Amtssprecher Brunner erklärte, der Botschafter habe in jeder Beziehung korrekt gehandelt, das Amt übernehme die Verantwortung, wolle aber nur so weit Aufklärung geben, als es die Beziehungen mit Griechenland zuließen.

Brunners Einschränkung bekräftigte am Wochenbeginn den Verdacht, daß die Ausreise Mangakis’ mit dem griechischen Ministerpräsidenten Papadopoulos, nicht aber mit seinem Vertreter und Opponenten Pattakos abgesprochen war, durch eine Indiskretion vorzeitig bekannt wurde und so die harte Reaktion der Junta auslöste.