Die Würzburger Firma „Waffen Frankonia“ bietet ihren Kunden „ein reiches Angebot guter Sammlerwaffen“ und preist den achtzehnschüssigen „Henry-Stutzen“ Old Shatterhands als „vollfunktionsfähig“ an. Die „collector guns“ aus Altenkirchen liefert nicht nur Waffen frei Haus, sondern für 50 Pfennig Briefporto sogar noch „neue Tips für den Waffenerwerbsschein“, der den Pistolenkauf erst zu legalen Freude werden läßt. In diesen Tagen veröffentlichte das Frankfurter Versandhaus Neckermann seinen neuen Waffen-Spezial-Katalog. Auflage: 500 000.

Mit Gewehren aus aller Welt versorgt Gustav Kopf aus Leonberg bundesdeutsche Waffenfans. Die Hebsacker GmbH aus Baden-Württemberg lobt in Annoncen einschlägiger Gazetten die alte „Soldatenbraut“, den Weltkriegkarabiner K 98, als besonders günstiges Angebot. Walter Sefke aus Hamburg vertreibt Einzelteile der 08, die sich jeder Bastler in Heimarbeit schußfertig zusammensetzen kann. Und die Waffenfirma Erma wirbt für ihre „Automaten“, weil sie „schneller schießen“ – „Schuß für Schuß“. Die Flinten- und Pistolenhändlerin Bärbel Harlos aus Schwäbisch Hall empfiehlt potentiellen Käufern: „Kaufen Sie jetzt, wie lange Sie es noch können, weiß keiner.“

Lange soll dieser Zustand des ungehemmten Waffenhandels freilich nicht mehr dauern. Im Innenausschuß des Bundestags liegt ein Gesetzentwurf, der Handel, Erwerb und Umgang mit den todbringenden Instrumenten künftig strengeren Regeln als bisher unterwerfen soll. Bund und Länder fürchten die Welle der Gewalt, die derzeit über Deutschland rollt, und wollen die Waffenselbstversorgung unterbinden.

Nach Schätzungen des deutschen Schützenbundes sind derzeit rund 20 Millionen Feuerwaffen im Verkehr, zwei Drittel als „Langwaffen“ (Gewehre) und ein Drittel als „Kurzwaffen“ (Revolver und Pistolen). Zwar ist der Erwerb von „Kurzwaffen“ auch bisher schon vom Besitz eines Erwerbsscheins abhängig, für Gewehre, automatische und halbautomatische Langwaffen genügt freilich meist der Nachweis des Käufers, bereits 18 Jahre alt zu sein. In Zukunft soll der Altersnachweis nicht mehr ausreichen.

Was für Pistolen gilt, soll einheitlich im ganzen Land nun auch auf andere Schußwaffen ausgedehnt werden. Beim Kauf jeder Waffe müssen die Zivilisten nun einen Waffenerwerbsschein vorlegen, der von den Behörden ausgestellt wird, wenn ein Waffenbedürfnis nachgewiesen wird, die Sachkunde im Umgang mit Waffen sichergestellt und die Zuverlässigkeit des Waffenerwerbers bei der amtlichen Prüfung erwiesen ist.

Solche scharfen Bestimmungen fürchten vor allem die Sportschützen, aber auch Jäger und Sammler historischer Schießprügel. Jäger und Sportschützen sind sich allerdings einig, daß Bonn vor allem den Erwerb von automatischen Langwaffen erschweren sollte, denn sie sind nach Meinung des Deutschen Schützenbundes neben den Pistolen immer häufiger als Mordinstrumente im Einsatz. Der Deutsche Schützenbund: „Ungezählte Menschen würden heute noch leben, wenn die gefährlichen halbautomatischen KK-(Klein-Kaliber-)Gewehre erwerbsscheinpflichtig wären.“

Die beim Sport und der Jagd üblichen Langwaffen – meist Einzellader – seien dagegen als Ganovenwaffen ungeeignet. Der Schützenbund: „Delikte mit Sportwaffen sind aus den letzten 20 Jahren nicht bekannt.“