Von Karl-Richard Könnecke

Wonach der Tourist in den letzten Jahren meist vergeblich ausgeschaut hat im Königreich Dänemark – nach den werbeplakatbekannten gemütlichen Radfahrern nämlich: heute kann er sie wieder entdecken (und wenn er besonders gut beraten ist, wird er selbst auf einem Cykel, sprich Szückel, durch das Land radeln).

Möglich macht das ein gewisser Henrik Thomasen in Svendborg auf Fünen. Dieser Herr Thomasen hatte herausgefunden, daß seine Heimatinsel viel zu schön sei, um von erholungssuchenden Kraftfahrern so eilig rechts und links liegengelassen zu werden. So besann er sich auf das vom Moped verdrängte Fahrrad. Und weil ihm das nicht als Privatmann, sondern als damaliger Svendborger Fremdenverkehrschef eingefallen war, rief er die "Dänischen Radfahr-Ferien" ins Leben. Das war 1970.

Seither haben mehr als zweitausend Touristen die Schönheiten der Insel Fünen und ihrer reizvollen umgebenden Inselwelt vom Fahrradsattel aus in aller Ruhe, wenn auch ausgiebig trampelnd, kennengelernt – ganz wie Herr Thomasen es sich gewünscht hatte. Freilich ist es auch sehr einfach: Man bestellt in seinem Reisebüro "Ferien auf zwei Rädern", wählt Route und Zeitpunkt, bezahlt den ganzen Spaß im vorhinein und empfängt am Ausgangspunkt der Radtour: erstens ein Fahrrad, zweitens ein Heftchen mit Bons für Hotelübernachtungen und -mahlzeiten, drittens detaillierte Routenbeschreibung, viertens Regenschutz und fünftens zwei Gepäcktaschen. Nichts weiter bleibt zu tun, als loszuradeln und um gutes Wetter zu bitten. Alles andere ist im Pauschalpreis (und -arrangement) für die achttägige Expedition bereits einbegriffen. Vierzig, höchstens fünfzig Kilometer pro Tag, mehr muten die Dänen ihren radfahrenden Sommergästen auf der ‚Tour de dansk‘ nicht zu. Mit allzuviel Gepäck braucht sich keiner herumzuplacken; schließlich wartet jeden Abend ein bequemes Hotelzimmer, und dreimal täglich wird gutes dänisches Essen in irgendeinem Restaurant oder Kro am Wege serviert. Und die Wege sind meistens kleine Nebenstraßen: wenig Autoverkehr oder keiner, quer durch die Naturschönheiten führend, vorbei an allerlei Sehenswürdigkeiten. Außerdem braucht der Radfahrer die dänischen Autofahrer nicht zu fürchten; die haben noch nicht vergessen, daß Radfahrer auch Menschen sind – eine Erfahrung, die mancher radelnde Tourist, der in Deutschland ein Autofahrer ist, staunend an sich selbst, entdecken wird.

Was auf Fünen so erfolgreich ist – warum sollte das in Jütland nicht auch möglich sein? So arbeiteten die Fremdenverkehrsbüros in Aarhus, Viborg und Vejle ebenfalls Radtouren aus und laden für 1972 Strampel-Touristen auch nach Jütland ein.

Der Radler kann in diesem Sommer zwischen sieben Acht-Tage-Touren wählen. Drei Touren, gewissermaßen die Ur-Touren, auf Fünen: Bilderbuchlandschaften zwischen Großem Belt und Kleinem Belt; Märcheninsel Ärö; Abstecher auf die Insel Langeland; Besuch in Odense, Fünens Hauptstadt und Heimat Hans Christian Andersens. Zu vier verschieden ausgedehnten Touren steht Jütland zur Verfügung. Rund um Vejle etwa mit Abstechern ins Legoland, in den Löwenpark Givskud und in ein echt dänisches Wildwestlager bei Vorbasse. Oder nach Aarhus und auf die Insel Samsö. Oder gar quer (besser gesagt: längs) durchs Land vom nordjütländischen Viborg über den uralten Heerweg bis an die deutsche Grenze bei Padborg.

Wer will, kann in diesem Jahr die dänischen Radfahr-Ferien sogar auf dem Bahnsteig des heimatlichen Bahnhofs beginnen. Es gibt Pauschalfahrten ab Hamburg, Frankfurt oder München. Dann kostet die einwöchige Tour mit Bahnfahrt, Vollpension, Übernachtungen und Fahrradmiete zwischen 247 und 376 Mark. Wer das eigene Fahrrad vorzieht und mitbringt, spart 25 Mark. Und wer direkt in Dänemark startet, kann die billigsten Radfahr-Ferien schon ab 172 Mark haben – allerdings schläft er dann in Jugendherbergen und ißt nicht ganz so reichlich.