Wer glaubte, das Wahlergebnis in Baden-Württemberg würde dem Aktienmarkt neuen Auftrieb geben, sah sich am Wochenbeginn in seinen Erwartungen getäuscht. Die Ausländer, die schon in der Vorwoche mit neuen Kaufaufträgen sparsam waren, glänzten zunächst durch völlige Abwesenheit. Politische Unsicherheit, eine Folge des Wahlausgangs, sind kein gutes Anlageklima.

Das gilt nicht nur für Ausländer. Auch die inländischen Anleger disponierten vorsichtig. Die Fonds können sich das „Nichtstun“ leisten, sie stehen nicht mehr unter Anlagedruck. Der Absatz ihrer Zertifikate ließ in den letzten Wochen nach. Disponiert werden kann im wesentlichen nur über jene Mittel, die aus dem „Plansparen“ regelmäßig anfallen.

Nun wäre es falsch, die Politik allein für die schwächeren Kurse verantwortlich zu machen. Der Aktienmarkt hat auch deshalb an Schubkraft eingebüßt, weil die Zinssenkung – jetzt auch für jedermann sichtbar – ihr vorläufiges Ende gefunden hat. Mit dem Achtprozenter ist wieder eine Anlagealternative zum Aktienerwerb vorhanden. Ob sie genutzt wird, bleibt abzuwarten. Große Begeisterung scheint für den neuen Achtprozenter noch nicht zu herrschen.

Immer spürbarer wird, daß die Börse dem Konjunkturfahrplan weit vorausgeeilt ist. Daher blieb eine Reaktion auf den zur Eröffnung der Hannover-Messe zur Schau gestellten Bonner Wirtschaftsoptimismus aus. Bei den Maschinenbau-Aktien wurden vielmehr Kursgewinne realisiert, was bei der Demag zu Kurseinbußen führte.

Mannesmann-Aktien erreichten in der Vorwoche einen neuen Höchstkurs. Hier gab es noch englische Käufe. Die Engländer „schätzen“ Mannesmann als erfolgreichen Konkurrenten bei internationalen Ausschreibungen. Durch das Röhrengeschäft mit den Sowjets ist die Mannesmann-Aktie aber zu einem politischen Papier geworden. Zu Beginn der Woche kam es deshalb auch hier zu Gewinnsicherstellungen. Dabei spielte die Sorge eine Rolle, daß Schwierigkeiten in der Ratifizierung der Ostverträge die Fortsetzung des Röhrengeschäfts in Frage stellen könnte.

Im Mittelpunkt standen zeitweise die Rheinstahl-Aktien. Man wollte von der Ausarbeitung einer Großbank wissen, in der die Verfasser zu dem Schluß kommen, es ginge bei Rheinstahl wieder aufwärts. Viele müde gewordene Rheinstahl-Aktionäre nahmen die Gelegenheit war, ihre Papiere „günstig“ abstoßen zu können. K. W.