Aus zwei Übeltaten entsteht nichts Gutes, sagt ein altes englisches Sprichwort: „Two blacks don’t make a white.“ Der Spruch läßt sich mühelos auf den ersten Fall eines parlamentarischen Mißtrauensvotums in der Geschichte der Bundesrepublik anwenden. Die Opposition kann den Kanzler aus eigenem nicht stürzen; sie kann es nur mit Hilfe von mindestens drei Überläufern aus dem Regierungslager, Diese wären denn doch wohl Verräter an der Sache der Regierung, weil sie ihren Sinneswandel nicht zu offenbaren wagten, bevor ihnen die Abstimmung über den geplanten Kanzlersturz die Chance gab, ihren Verrat mit „verdecktem Stimmzettel“ zu kaschieren.

So hätte die Koalition eigentlich das Recht, alles zu tun, um der Verräter habhaft zu werden. Etwa, indem sie ihre Abgeordneten während der geheimen Abstimmung über das Mißtrauensvotum im Plenarsaal sitzenzubleiben hieße. Dann müßten der erste, zweite und dritte Judas geradestehen, noch ehe der Hahn kräht. Damit freilich wären die Verräter von den Verratenen um das ihnen zustehende Wahlgeheimnis gebracht.

Das Unterfangen bewegt sich hart am Rande der zulässigen Parlaments-Usance. Die Union braucht sich indes über den Trick der Regierungsmorgen oder übermorgen wieder Stabilität ge-

H. Sch.