Ein „heller Kopf sollte es sein“ oder ein „Typ, der es vorzieht, während seiner Ferien nicht nur zu faulenzen“. Die in den Katalogen der Reiseveranstalter so angesprochenen jungen Damen und Herren, Mindestalter 21, sollen als Jugendreiseleiter die Teilnehmer der in den gleichen Katalogen ausgeschriebenen Jugendreisen betreuen. An Talenten erwartet man von ihnen unter anderem „Verantwortungsbewußtsein“, sportliche Begabung, Improvisationstalent und „Erfahrung im Umgang mit jungen Menschen“.

Immerhin macht ein Veranstalter auch darauf aufmerksam, hier handle es sich um eine schwierige Aufgabe und nicht um einen „Traumjob“. Als genau dies aber fassen offenbar die meisten Bewerber eine Beschäftigung in der Jugendtouristik auf. Sie bewerben sich in der Annahme, als Jugendreiseleiter ließe sich bei wenig Arbeit und viel Urlaub eine Menge Geld verdienen. Trotzdem wird nahezu jeder Interessent angenommen, zuweilen nach recht oberflächlicher Eignungsprüfung. Erst in den obligatorischen Ausbildungskursen merken die Studenten und Abiturienten, daß Urlauberbetreuung kein Urlaub ist.

Man stelle sich einmal vor: eine Fluggesellschaft würde in ihrem neuen Flugplan per Inserat Stewardessen für die angekündigten Flüge suchen. Gewiß hinkt der Vergleich, denn: Während es in der Luft um eine vorwiegend technische Betreuung geht, übernehmen Jugendreiseunternehmen für die ihnen anvertrauten Jugendlichen zusätzlich eine pädagogische Verantwortung.

Auf Eltern, die ihre Sprößlinge einem Jugendreiseveranstalter anvertrauen wollen, dürften Katalog-Anzeigen „Jugendreiseleiter für den Sommer gesucht“ nicht gerade vertrauenerweckend wirken. Die drei Seiten später zugesicherte „ausgezeichnete Betreuung durch unsere erfahrenen und gut ausgebildeten Reiseleiter“ erscheint da etwas fragwürdig. ag