Die Usancen orientalischer Basare sind häufig genug das Vorbild, wenn Arbeitgeber und Gewerkschaften sich zusammensetzen, um Löhne und Gehälter auszuhandeln. So nimmt es denn auch nicht wunder, wenn Otto Esser, der Vorsitzende des Arbeitsrings Chemie, zu dem orientalisch-bildhaften Vergleich griff, daß die Arbeitgeber in der Chemie „keinen Teppichhandel“ wollten.

Nun, mit der Unterschrift unter knapp 6,4 Prozent Lohnerhöhung für die rund 600 000 Arbeitnehmer der chemischen Industrie ist die IG Chemie auf dem Teppich geblieben, wie andere Gewerkschaften auch bei den Tarifabschlüssen seit Beginn dieses Jahres. Trotzdem klagte Arbeitgeberpräsident Otto A. Friedrich, die Lohnentwicklung sei noch nicht konjunkturgerecht, und erteilte Bundeswirtschaftsminister Schiller einen Rüffel, weil dieser im Bundestag die Gewerkschaften für ihre Lohnpolitik gelobt hatte.

Aber Friedrich muß wohl immer so klagen, gleich wie das Ergebnis ausfällt. Denn täte er es nicht, versuchte er nicht,’den Gewerkschaften den Schwarzen Peter zuzuschieben – dann könnte noch jemand auf den Gedanken kommen, die Ursachen woanders zu suchen, wenn die Preissteigerungen trotzdem weitergehen. hm