Von Marietta Riederer

Florenz hat zum 44. Male in den Palazzo Pitti eingeladen, diesmal, um Alta-Moda-Pronta, Boutique-Mode, Pelze, Leder- und Strickmode für den Winter 1972/73 zu präsentieren. Der Andrang internationaler Einkäufer, auch aus den USA, aus Japan und Venezuela, war so groß, daß einige mit Stehplätzen vorliebnehmen mußten. Und das bei einem Eintrittspreis von 500 Dollar.

Die allgemeine Tendenz der neuen Mode ließe sich umschreiben mit „Feminität über alles“. Auch in Hosen-Ensembles: Dauermode von früh bis spät. Neue kontrollierte Eleganz, ganz und gar unbürgerlich. Raffinierter statt direkter Sex. Etwa unter der Parole: Sanft ist sicher.

Top-Farbe I: Caramel (Kamelhaarstoffe) zusammen mit Weiß, Schwarz, Marine, mit Grau, Coca-Braun, mit Biskuit oder Feuerrot.

Top-Farbe II: Grau (Flanell) von Schiefer bis Silber, zusammen mit Rahtmweiß, Pfirsichrosa oder Honiggelb. Statt greller Farben helle Farben.

Trend I: „Pullover-Look“. Kurz-Pullis über meist weißen Blusen zu geraden, weiten Hosen zu gemäßigten Faltenröcken und langen, plissierten Mousseline-Röcken am Abend. Letzter Hit sind „Streichel-Garne“ wie Mohair- und Angorawolle oder schmiegsame Seidenjerseys. Es führen geometrische Dessins: Rauten, dann Glencheck, Phantasie-Schotten, „Fächer“ und Zopfmuster. Die meisten Pullis haben kurze Ärmel und werden am Tag über creme-weißen Flanellblusen mit langen Ärmeln, am Abend über Seiden-Satin-Blusen getragen.

Abendblusen sind mit schmalen Volants an Kragen und Manschetten oder mit gestickten „Bögelchen“ geschmückt. Statt Krawatten: Schmetterlingsschleifen in Fondant-Farben. Abendpullis sind kleine Kostbarkeiten, mit Perlen oder mit Blüten bestickt oder mit Gold und Silber durchwirkt, oft fast kitschig und deshalb Silber richtig“.