Im Recht ist immer nur derjenige, der das nicht beweisen muß. Brana Crnčevic

Konferenz als Alibi?

Mit gemischten Gefühlen sehen Prager Intellektuelle einer Konferenz entgegen, die von der Karls-Universität für den kommenden Herbst vorbereitet wird. Eingeladen werden alle Universitäten aus Ost- und Westeuropa (Anrede Ost: Genosse Rektor, Anrede West: Magnifizenz), die offizielle Funktion der Tagung soll die wissenschaftliche Vorbereitung der europäischen Sicherheitskonferenz sein. Die Intellektuellen fürchten nun, daß das Prager Regime die Konferenz benutzen wird, um den oppositionellen Kräften im Lande ihre Isolierung zu demonstrieren. Westliche Wissenschaftler, so argwöhnen sie, werden benutzt, um die Reputation des Regimes zu festigen, während sie selber immer noch „Säuberungsaktionen“ ausgesetzt sind. So lief erst in den Tagen vor Ostern an den Universitäten und Hochschulen in der Tschechoslowakei eine neue Fragebogenaktion an, in der von allen wissenschaftlichen Mitarbeitern präzise Auskünfte über ihre politische Einstellung vor 1968, bis zur Invasion, über die Beurteilung der „brüderlichen Hilfe“ durch die Sowjetunion und über eigene Aktivitäten im „Krisenjahr“ 1968 verlangt werden.

S-Bahn München mangelhaft

Auf der „Begegnung der Bürgermeister der Großstädte der Welt“ dieser Tage in Mailand war, selbstverständlich, auch die Einsicht allgemein, daß der anschwellende Verkehr dazu zwinge, öffentliche Verkehrsmittel rigoros zu verbessern. Daß selbst eine so brandneue Transporteinrichtung wie die S-Bahn in München dazu gehört, kann man einem offenen Brief an Bundesminister Leber entnehmen. Der schon immer sehr rege „Deutsche Werkbund Bayern“ – Arbeitskreis Design – prangert darin „zahlreiche gravierende Mängel der Innenausstattung“ an, zum Beispiel: falsch konstruierte und falsch gepolsterte, also gesundheitsschädliche Sitze, falsch angebrachte Gepäckgitter mit falschen Ausmaßen, Mangel an Kleiderhaken, eine unverständliche graphische Symbolsprache, zu wenige Haltegriffe oder -Stangen für stehende Fahrgäste. Bemängelt wurde auch, daß die Waggons oft über- oder untertemperiert sind. Diese Mängel, heißt es, bedeuteten sogar einen Rückschritt gegenüber Innenausstattungen, die schon in der Reichsbahnzeit entwickelt worden waren. Offenbar haben die Waggon-Designer die eigentliche Hauptperson vergessen: den S-Bahn fahrenden Menschen.

Studium in den USA

Auch für das Studienjahr 1973/74 vergibt die deutsche Fulbright-Kommission wieder kombinierte Reise- und Aufenthaltsstipendien für das Studium an amerikanischen Hochschulen. Bewerben können sich alle Studenten, und zwar bei den Akademischen Auslandsämtern ihrer Hochschulen (letzter Termin: 15. Juni 1972). Ausgeschlossen sind nur Jungakademiker mit abgeschlossenem Hochschulstudium: Zwecks Auslandsaufenthalten werden sie an den Deutschen Akademischen Austauschdienst verwiesen.