DIE ZEIT

Vietnam im Nacken

Wenn nicht noch unversehens ein sowjetischer Frachter auf eine Mine läuft oder General Giap sich für den Geburtstag Ho Tschi Minhs am Wochenende eine besondere Überraschung ausgedacht hat, wird Richard Nixon am Pfingstmontag seinen Einzug im Kreml halten können.

Hair Force, ade

Die Bundeswehr ist um ein Uniformstück ärmer geworden: Das Haarnetz gehört seit dieser Woche der Militärgeschichte an. Nach fünfzehn Monaten üppig wallender Lockenpracht unter dem Stahlhelm endet jetzt die Flaute der Kasernenfigaros.

Ja zu Europa

Während im Londoner Unterhaus weiter über die Anpassungsgesetze zum EWG-Beitritt debattiert wird und in Norwegen und Dänemark der Weg in die Gemeinschaft noch längst nicht freigegeben ist, haben die Iren bei einem Referendum ihre Entscheidung getroffen.

Politischer Bomben-Terror

Nicht gerade aus heiterem Himmel, aber doch aus einer vergleichsweise ruhigen Atmosphäre ist plötzlich eine Terrorwelle über die Bundesrepublik hereingebrochen.

ZEITSPIEGEL

„Möchtest du einen Chef, der zwar als guter Fachmann gilt, jedoch keine menschlichen Vorzüge besitzt, oder einen, der menschlich wertvoll, hingegen fachlich weniger qualifiziert ist?“, so fragte das polnische Wochenblatt Polityka seine Leser.

Valentin Falin: Gromykos Bahr

Nach der Völkerschlacht bei Leipzig im Jahre 1813 schrieb der vormalige russische Gesandte in Preußen, Alopeus, an den Zaren Alexander: „Welche Gestaltung man sich für Deutschland auch ausdenken mag, sie wird immer günstig sein, wenn sie in den Händen eines einzigen Herrschers nicht allzuviel Macht vereinigt und wenn sie dem russischen Kabinett die Möglichkeit einräumt, seine Meinung zu.

Die Burleske wurde zur Tragödie

Was bis dahin bei allen Untertönen des Rassenfanatismus doch noch als eine Burleske der politischen Bühne Amerikas belacht oder beklagt werden konnte der Wahlfeldzug des Gouverneurs von Alabama und Bewerbers um die Präsidentschaftskandidatur der Demokratischen Partei, George Wallace –, verwandelte sich jählings in eineder schon so oft erlebten und doch immer wieder bestürzenden amerikanischen Tragödien.

Das Risiko des Rainer Barzel

Rainer Barzel hat viel gewagt: Er stellte sich gegen den herrschenden Trend in der Union. Er forderte ein Ja zu den Verträgen, obwohl die große Mehrheit der Christlichen Demokraten am liebsten Nein gesagt hätte.

Zwei Tage des Mißtrauens

Am Mitwoch morgen voriger Woche hatte die politische Vernunft in Bonn abgedankt.............................................

Verwirrung in Warschau

In seiner Ostberliner Rede zur Einweihung eines Denkmals für den polnischen Soldaten und den deutschen Antifaschisten erklärte Ministerpräsident Piotr Jaroszewicz am Sonntag zum Warschauer Vertrag: „Für Polen ist einzig und allein der Text des Vertrags verbindlich, dessen Bestimmungen wir guten Glaubens auszuführen bereit sind.

Staatsvertrag unter Deutschen

Der Verkehrsvertrag zwischen der Bundesrepublik und der DDR, der nächste Woche in Ost-Berlin unterzeichnet werden soll, ist der erste Vertrag zwischen Bonn und Ost-Berlin, der nicht unter dem Dach der Vier-Mächte-Verantwortung für Deutschland und Berlin geschlossen wurde.

Resolution zu vielen Zwecken

Zwei Dinge standen am Mittwoch dieser Woche zur Abstimmung im Deutschen Bundestag: Ein Vertrag, der nach den Wünschen einiger spätbekehrter Befürworter nicht sein sollte, was er nach den Intentionen seiner Unterzeichner ursprünglich war, und eine Resolution, die mehr sein sollte, als sie ist.

Mit Härte gegen Hanoi

Der verschärfte Luftkrieg habe „weder die Infiltration wesentlich beeinträchtigen noch den Durchhaltewillen Hanois brechen können .

Wolfgang Ebert: Vertragsspieler

... melden wir uns wieder aus dem Bonner Stadion mit unserer Übertragung von einem der aufregendsten Spiele in der deutschen Fußball-Nachkriegsgeschichte, dem Kampf um den Ostpokal zwischen dem Regierungsteam FC Wacker und der Mannschaft der Opposition FC Bremse.

Minenkrieg: Riskantes Räumen

Die vor der nordvietnamesischen Küste verwendeten US-Minen haben mit denen, die im Zweiten Weltkrieg verwendet wurden, kaum mehr als die Sprengladung gemein.

Peking macht sich keine Sorgen

Die Chinesen scheinen sich über die Verminung der nordvietnamesischen Häfen keine allzu großen Sorgen zu machen. Natürlich haben sie Nixons Maßnahmen scharf verurteilt – die Pekinger Volkszeitung nannte sie einen „gefährlichen Zug“ und eine „flagrante Provokation“.

Der Kreml hört die Signale

Sollte nicht noch etwas Unvorhergesehenes geschehen, so wird die amerikanische Blockade Nordvietnams einmal als das Beispiel einer gut gesteuerten Krise in die Weltgeschichte eingehen.

Koalition der Falken und Tauben

Noch einmal explodierte der Unwille an den Universitäten und Colleges Amerikas über die von Präsident Nixon verhängte See- und Luftblockade gegen Nordvietnam in ungezählten Demonstrationen, Sitzstreiks und Tränengasschlachten mit der Polizei.

Dienen bis zuletzt

Seine große Zeit begann, als der kurz zuvor ernannte „Beauftragte des Bundeskanzlers für die mit der Vermehrung der alliierten Truppen zusammenhängenden Fragen“ am 9.

Prüfstein für das neue Japan

Am 22. Juni 1945, nach einer der blutigsten Schlachten des Zweiten Weltkrieges, hißten die siegreichen Amerikaner auf Okinawa das Sternenbanner.

Im Schatten der Angst

Das Obristen-Regime in Athen hat sich in der letzten Woche selber die Maske der Friedfertigkeit vom Gesicht gerissen. Alles Gerede über eine Liberalisierung der griechischen Diktatur hat sich als voreilig erwiesen.

Bomben für den Bundesrichter

Das Echo der dreifachen Detonation im Frankfurter Hauptquartier des 5. Armeekorps der amerikanischen Streitkräfte am Himmelfahrtstag ist noch nicht verklungen.

Noch hundert Tage

Am 18. Mai hat die große Olympia-Countdown-Uhr an der Hauswand eines Münchner Sportgeschäfts die Zahl 100 aufgesteckt – genau 100 Tage sind es noch, bis die Fanfaren zur Eröffnung der Olympischen Sommerspiele 1972 ertönen.

Kluft im Kloster

Das Gerangel um die Bonner Ostpolitik macht selbst vor Klostermauern nicht halt. In Walberberg bei Köln, wo der Prediger- und Bettelorden der katholischen Dominikaner eine theologische Hochschule unterhält, befehden sich die frommen Mönche.

Differenzen in der Union

Bis zur letzten Minute, dem Beginn der entscheidenden Lesung über die Ostverträge an diesem Mittwoch um 14 Uhr, wurde in der CDU/CSU-Fraktion um eine Entscheidung über die Ostverträge gerungen.

Türkei: Auftrag an Melen

Das türkische Krisenkarussell dreht sich weiter: Am Samstag verwarf überraschend Präsident Sunay die Kabinettsliste des 69jährigen Senators Ürgüplü, den er am 29.

Die Blockade dauert an

Moskaus Reaktion wurde in Washington mit Erleichterung aufgenommen: Erst zwei Tage nach Präsident Nixons Ankündigung, die USA würden Minen vor den sieben Häfen Nordvietnams legen und „die Lieferung von Nachschub auf dem Seeweg unterbinden“, äußerte sich der Kreml am Donnerstag.

Dokumente der ZEIT

„Der Präsident hat uns oft erklärt, daß er Verhandlungen bevorzuge, daß er aber, sollten sie nicht gelingen, entschlossen sei, den Weg der Vietnamisierung zu gehen.

Krisenherde der Woche

Zu neuen militärischen Zwischenfällen ist es in Kaschmir an der zwischen Pakistan und Indien umstrittenen Waffenstillstandslinie gekommen.

Bundesrepublik: Vier Anschläge

Über die Täter war am Dienstag noch nichts bekannt. Zwei Umstände deuten jedoch auf die Baader-Meinhof-Gruppe: Buddenberg, zugleich erster Ermittlungsrichter bei der Bundesanwaltschaft, leitet die Untersuchungen gegen die Gruppe.

Madagaskar: Neue Unruhen

Nach einem Jahr relativer Ruhe sind am Wochenende auf Madagaskar wieder Kämpfe ausgebrochen. In der Hauptstadt Tananarive lieferten sich Polizei und Studenten blutige Gefechte, die 34 Menschenleben und 170 Verletzte forderten.

Italien: Keine Mehrheit

Eine Woche nach der Bekanntgabe des Ergebnisses der Wahlen in Italien besteht noch immer Unklarheit über die-Regierungsbildung.

Wie Kellerkinder lernen

Grundschüler, Berufsschüler und Sonderschüler werden von unserem Erziehungssystem vernachlässigt

Denk ich an Hessen...

Vor vier Wochen fuhr ich durch die hessischen Universitätsstädte, blieb zwei Tage in Frankfurt, zwei Tage in Gießen, zwei Tage in Marburg und schrieb danach auf, was ich gesehen, gehört, erlebt hatte („Der Student, was möcht’ er“, ZEIT Nr.

Notwendiger Nachtrag (3)

Warum die ZEIT das hessische Hochschulgesetz am Beispiel der Frankfurter Biologie zu negativ sieht

Ganz ohne Kern

Üblicherweise faßt man die letzten drei zusammen, das scheint nicht mehr zu genügen: auf den Schallplattenmarkt gibt es inzwischen dreimal die letzten sechs Mozart-Symphonien.

DIE NEUE SCHALLPLATTE

Zunächst möchte man eine Schallplattenfassung des Stücks für eine unsinnige Idee, einen Akt der Verstümmelung und Zerstörung halten: In Kagels szenischer Komposition „Staatstheater“ sind die akustischen und visuellen Komponenten so streng erarbeitet und so aufs engste miteinander verzahnt, daß eine Reduktion auf das Klangliche nicht mehr das Werk ist.

Aus dem Wörterbuch der documenta

Als Harald Szeemann, der Generalsekretär der documenta 5, noch das Schreiben hatte, entstand der Slogan „Besser sehen durch documenta 5“.

Kritische Miniaturen

Im großen Sendesaal des Kölner Funkhauses sind für zwei Abende die Verhältnisse auf den Kopf gestellt: wo für gewöhnlich das Publikum sitzt und genießt, nehmen nun die Musiker Platz, während die Zuhörer und Zuschauer auf das Podium steigen.

Meer und mehr

Kiel, der maritime Vorort von Olympia-München, hat in diesem Sommer die größte Ausstellung seiner bisherigen Geschichte. Und damit ist nicht, wie man in Bayern vielleicht meinen könnte, die größte Sprottenauktion gemeint, sondern jenes köstliche Ausstellungsallerlei, das unter dem Titel "Mensch und Meer" der 90.

Autoren-Gesplitter

Wie seit langem voraussehbar, wie seit den letzten, entschieden zu ihren Ungunsten ausgegangenen Vorstandswahlen fast unvermeidlich, hat sich die sogenannte „Fraktion unabhängiger Schriftsteller im VS“ (nämlich die den Gewerkschaftskurs des Schriftstellerverbandes heftig und mit CSU-Rückhalt befehdende Splittergruppe im bayerischen Landesverband des VS) nunmehr abgespalten und einen „Freien deutschen Autorenverband“ aufgemacht – vorerst nur für Bayern.

FILMTIPS

„Macunaima“, von Joaquim Pedro de Andrade, ist, filmhistorisch gesehen, schon die Fülle barocker Dekadenz des klassischen Cinema Nôvo.

Kunstkalender

90 Zeichnungen aus dem Louvre, die opulente Gegengabe für eine Ausstellung deutscher Zeichnungen aus dem Darmstädter Museum in Paris.

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