Vor einem Jahr behinderten die Fluglotsen durch ihren "Dienst nach Vorschrift" schon einmal wochenlang den Flugverkehr über der Bundesrepublik. Damals konnten sie trotz allgemeiner Empörung noch Sympathien für ihre Motive verbuchen. Denn – so versicherten sie glaubhaft – sie bummelten nicht (nur) für höhere Bezüge. Vielmehr wollten sie auf das Personaldefizit, auf Gerätemangel und Gerätemängel, auf Sicherheitsrisiken hinweisen.

Diese Argumente verfangen nun nicht mehr. Zu offensichtlich ist der neuerliche "Dienst nach Vorschrift" mit der Weigerung von Innenminister Genscher verknüpft, die Bezüge der Lotsen unverhältnismäßig anzuheben. Genscher hat richtig gehandelt. Die geforderten Verbesserungen wären gegenüber anderen Beamtengruppen in der Tat ungerecht und unverantwortlich. Es geht nicht an, daß eine kleine Gruppe ihre durch die Technik privilegierte Lage dazu benutzt, die Vorteile des Beamtenrechts zu genießen, dessen Nachteile aber – etwa das Streikverbot – zu vermeiden.

Wenn sich dieses Bummelspiel nicht jedes Jahr wiederholen soll, bleibt wohl nur ein Ausweg – so rasch wie möglich neue Lotsen auszubilden und einzustellen. Dann wird künftig Personalmangel den Dienstherren nicht mehr daran hindern, streikende Lotsen vor die Konsequenz ihres Tuns zu stellen: vor die Entlassung. H. B.