Seit Mittwoch voriger Woche praktizieren die rund 1200 Flugleiter der Bundesrepublik wieder einen "Dienst nach Vorschrift". Der Bummelstreik führte allein in den beiden ersten Tagen bei der Lufthansa zu einer Verspätung von insgesamt 457 Stunden; 37 Flüge fielen aus. Auch über das Wochenende mußten besonders innerdeutsche Flüge abgesagt werden.

Der Konflikt brach aus, nachdem es Innenminister Genscher abgelehnt hatte, den Vorschlägen der sogenannten Schlieker-Kommissionen zu folgen. Sie sehen unter anderem vor, die Beamtengehälter, die allgemein um 5,6 Prozent steigen sollen, bei den Fluglotsen um 7,3 bis 28,6 Prozent anzuheben. Eine solche Erhöhung sei – so Genscher – gegenüber anderen Beamtengruppen nicht zu verantworten. Der Bummelstreik stelle auch eine Verhöhnung der Arbeitnehmer dar, die bei einem Streik das volle Risiko tragen müßten.

Die Fluglotsen wehrten sich gegen die Behauptung, sie wollten kurz vor den Olympischen Spielen Druck auf Bonn ausüben.