Von Franz G. Widmer

Für den Staatspräsidenten des Irak Ahmed Hassan el-Bakr war es die „Weiterführung der Offensive gegen die Ölmonopole“, für Geoffrey Stockwell, Generaldirektor der von Bakr enteigneten Iraq Petroleum Company (IPC), war es ein bereits erwarteter Angriff: „Wenn es nicht im Irak passiert wäre, dann wäre der Schlag an anderer Stelle geführt worden.“

Die Verstaatlichung der IPC (die großen Aktionäre sind mit jeweils 23,75 Prozent die britische BP, Royal Dutch/Shell, Frankreichs CFP und eine gemeinsame Tochter der amerikanischen Ölgiganten Esso und Mobil Oil) ist für die Iraker eine nationale Tat. Für die Ölkonzerne ist sie nur ein kleines Geplänkel in einer großen Auseinandersetzung. Es geht um die Frage: Wie werden die Gewinne des Ölgeschäfts zukünftig verteilt?

Dieser Streit zwischen den Ländern, in denen das Öl gefördert wird und den Konzernen, die es fördern und weiterverarbeiten, ist schon Jahre alt und auch die Verstaatlichung als Druckmittel ist nicht gerade neu: Algeriens Staatschef Boumedienne verstaatlichte 1971 genau 51 Prozent der französischen Ölinteressen in Algerien. Kürz darauf schlug der libysche Revolutionär Oberst Gaddafi zu – er enteignete allen libyschen Besitz der britischen BP.

Die Konzerne reagieren mit Härte-Boykotts, Prozeßdrohungen und staatlichen Pressionen – und zeigen gleichzeitig großes Verständnis. So wird in der Zentrale der nun schon zweimal enteigneten Londoner BP versucht, „die politischen Schwierigkeiten der ehemaligen Geschäftspartner zu verstehen“, „ökonomisch begründet“, so die öldirektoren, „sind solche Schritte nie, und wozu sich ärgern, wenn man doch nichts ändern kann“.

Die Strategie der Herren in London ist offenkundig: Rechte und Ansprüche zäh verteidigen, und über eine Abfindung für die Verstaatlichung so viel herausschlagen, wie nur irgendmöglich ist. Daß jeder souveräne Staat auf seinem Territorium tun und lassen kann, was er will – also auch verstaatlichen darf – wird in London ohne Einschränkungen akzeptiert. Die Ölbosse bestehen allerdings auf „voller, effektiver und prompter Kompensation“.

Dafür, was darunter zu verstehen ist, hat man im Britannia House der BP genaue Definitionen: Die Abfindung muß dem Gesamtwert des Unternehmens einschließlich der zukünftigen Gewinne entsprechen, die Abfindung wird gemeinsam ausgehandelt, gezahlt wird sofort, und in fester Währung. Gefordert werden mithin Hunderte von Millionen Dollar, obwohl der Buchwert der enteigneten Firmen bestenfalls noch ein paar Millionen Dollar beträgt.