Oberhausen liegt in Deutschland. In Oberhausen hat sich in der vorigen Woche eine Bluttat ereignet, die mit normalem Verstand nicht zu fassen ist. Ein Mann, der 43jährige Karl-Heinz Girod aus Oberhausen, verteidigte sich gegen seine Festnahme wegen unerlaubten Waffenbesitzes. Kaltblütig erschoß er drei Polizisten. Es heißt, seine Frau habe ihn zum Widerstand gegen die Polizei aufgestachelt. Zur Scheußlichkeit dieses Verbrechens wäre kaum etwas zu sagen. Die Anteilnahme der Öffentlichkeit gegenüber den Opfern dieses Verbrechens und ihren Angehörigen ist spontan und ehrlich. Die Zeitungen und andere Massenmedien haben drüber berichtet. Es wäre nicht gut, ein solches Verbrechen, das heute geschieht, morgen wieder zu vergessen. Wir müssen uns bewußt sein, in welcher Welt wir leben. Eine „heile Welt“ ist das nicht.

„Blutbad in Deutschlands So heißt es in der Schlagzeile von Bild. In Deutschland – natürlich, Oberhausen liegt in Deutschland. Deutschland – das ist in diesem Fall die Bundesrepublik Deutschland. In ihr leben 60 Millionen Menschen. Einer von diesen 60 Millionen hat am Donnerstag voriger Woche drei Polizisten erschossen. In Oberhausen. Von seiner Wohnung aus, im ersten Stock des Hauses Beethovenstraße 24.

Was aber soll die Schlagzeile von Bild: „Blutbad in Deutschland“? Was will sie sagen? Dieses verruchte, verrottete, berüchtigte Deutschland, diese Bundesrepublik Deutschland also, ist der ideale Nährboden für solche Verbrechen? Ist vielleicht auch die Regierung Brandt/Scheel daran schuld, daß der 43jährige Arbeitslose Karl-Heinz Girod die drei Polizisten in Oberhausen erschossen hat? Sollte sie gefälligst besser aufpassen auf die 60 Millionen Bürger der Bundesrepublik. Meint Bild es so?

Otto Busch,

Stellvertretender Chefredakteur der

„Wetzlarer Neuen Zeitung“