KRYSTYNA NASTULANKA: Ihre frühere längere Abwesenheit von der Heimat, die mit Wanderungen durch die Welt ausgefüllt war, erbrachte den Essayband „Ein Barbar im Garten“. Können wir auch nach Ihrem jüngsten mehrjährigen Aufenthalt im Ausland ein Buch erwarten, das sich auf Ihre neuen Erfahrungen und Reflexionen gründet?

ZBIGNIEW HERBERT: Eben jetzt halten Sie mich auf die charmanteste Weise von diesem Buch ab.

Wird es ein Reisetagebuch?

HERBERT: Nein. Im allgemeinen dringt alles, was ich sehe und lese, in mein Bewußtsein ein, wird dort umgestaltet, und schließlich entsteht daraus ein Essay, zum Beispiel über die Etrusker oder die Kreter, auf die ich als moderner Mensch reagiere, der Zeitungen liest und der ein Gefühl von der ungeheuren Vielfältigkeit der Welt hat. Nach dem „Barbar“ warf mir ein Kritiker vor, daß ich ästhetisiere, daß ich Torten backe und kein Brot. Der Zuckerbäcker ist aber auch ein Bäcker, nur mit höherer Bildung.

Es wird also wieder eine Expedition in die Vergangenheit?

HERBERT: Sehr schön haben Sie das gesagt: eine Expedition. Eine schwierige Forschungsreise, kein Ausflug. Bei uns gilt ein verhältnismäßig simples Denkschema, wonach Menschen, die über die Vergangenheit schreiben, vor der Gegenwart flüchten. Das ist natürlich nicht wahr, da man Kultur – entgegen der verbreiteten Meinung – nicht einfach erben kann wie Großmutters Häuschen oder eine silberne Uhr. Man muß sie in sich reproduzieren, erobern, man muß sich ihrer bewußt werden. Und das ist genauso wertvoll und schwierig wie das Wissen von Gegenwärtigem. In der Grammatik der Kultur existiert, wie in jeder normalen Grammatik, neben der Gegenwart auch die Vergangenheit.

Wohin führte Ihre letzte Reise?