Es war immer und unbestritten eines der höchsten Ziele von Charles de Gaulle, alle Franzosen in seinem Namen zu einigen. Als er 1958 wieder an die Macht kam und eine Regierung auf sehr breiter Grundlage bilden konnte, meinte er im ersten Ministerrat: „Jetzt fehlen nur noch Maurice Thorez (der Kommunistenführer) und Ferhat Abbas (der damalige Chef der algerischen Exilregierung) – und man kann nie wissen ...“ Je länger er regierte, um so ferner lag das Ziel.

Jetzt sind seine Familie und ein paar Gralshüter damit beschäftigt, selbst die Gaullisten im Namen de Gaulles zu spalten: in Rechtgläubige und in Abweichler, zu denen auch Staatspräsident Pompidou gezählt wird. Die meist untergründige Polemik nährt sich von Bemerkungen, die de Gaulle gelegentlich fallenließ. Sie trübte die Feier zur Einweihung des 45 Meter hohen Lothringer Kreuzes bei Colombey-les-deux-Eglises.

Nichts ist klarer belegt als de Gaulles Wille, daß sein Rückzug aus dem politischen Leben, den er 1969 nach der Abstimmungsniederlage antrat, vollkommen sein sollte. Sein Lebenswerk, Siege und Niederlagen, Größe und Tragik sollten nur noch dem Urteil der Geschichte unterliegen. Leider vergaß er, daß Erben oft ungeduldige Leute sind. Ihr Eifer hat schon Reiche zerstört. Sie werden es auch mit einer Legende schaffen. E. W.