DIE ZEIT

Pariser Eigensinn

Australische Wissenschaftler und Ärzte prophezeiten Tote und Krüppel als Folge atomarer Verseuchung des Trinkwassers, der australische Ministerpräsident protestierte brieflich beim französischen Staatspräsidenten Pompidou, ein australischer und ein neuseeländischer Konsularvertreter Frankreichs haben ihre Ämter niedergelegt, Aufträge für französische Firmen wurden storniert.

Unter dem Diktat der Interessen

Als deutlich wurde, daß Amerika Tschiang Kaischek fallenlassen würde, fühlte mancher sich an Lord Palmerston erinnert: „England has neither permanent friends nor permanent enemies, but only permanent interests.

In einen Topf...

Er könne in diesem gegenwärtigen Hetzklima bei uns nicht arbeiten, und in einem Lande, in dem er nicht arbeiten könne, könne er auch nicht leben.

Reservoir der Rechten

Franz Josef Strauß spielt mit dem Gedanken, die Deutsche Union (DU), jene von der FDP abgesplitterte rechtsnationale Gruppe, für die Union und vor allem für seine Zwecke nutzbar zu machen.

Die Nummer eins der Gelehrtenrepublik

Ein Ort, der als Basis für Neurosen ebenso berühmt geworden ist wie als Nährboden für geistige Kapazitäten, ist das evangelische Pfarrhaus.

ZEITSPIEGEL

Das Verhältnis zwischen SPD und Jungsozialisten, das sich in den letzten Monaten: infolge ostentativen Wohlverhaltens der Jusos entspannt hatte, scheint wieder empfindlich gestört.

Wo weder Milch noch Honig fließt

Es gibt ein altes israelisches Bonmot: „Wenn uns die Russen was Böses antun wollen, dann schicken sie uns ihre drei Millionen Juden auf einen Schlag.

"Sie war fix und fertig"

Beinahe hätte Ulrike Meinhofs Odyssee dort geendet, wo sie begonnen hatte: in Hamburg. Fünf Tage vor ihrer Festnahme in Hannover war "Deutschlands meistgesuchte Frau" im Hamburger Stadtteil Harvestehude gesehen worden.

,,Kein Zurück ins Reihenhaus"

Ein Zitat aus Egon Bahrs Tutzinger Rede von 1963? Nein, diese Vorwegnahme der sozialliberalen Ostpolitik wurde im selben Jahr von der konkret-Kolumnistin Ulrike Meinhof formuliert – übrigens nach dem Attentat auf Präsident Kennedy, dessen Tod sie betrauerte ("Die Ohnmächtigen setzten ihre Hoffnungen auf ihn"), noch ohne zu ahnen, daß er keineswegs beabsichtigt hatte, wie sie fälschlich annahm, die amerikanische Intervention in Vietnam zu beenden.

Sammeln gegen Portugal

Geht der "Geist von Rabat", den Nigerias Staatspräsident Gowon auf der diesjährigen Gipfelkonferenz der Organisation für Afrikanische Einheit (OAU) euphorisch zitierte, abermals in der schon bekannten Flut schöner Phrasen unter? Diese Sorge ist nach dem Treffen geringer geworden, denn vieles deutet darauf hin, daß die an nationalen Egoismen dahinsiechende OAU mit neuem Schwung in ihr zehntes Jahr geht.

Computer und Kimono

Das blutige Massaker, das drei japanische Terroristen auf dem Tel Aviver Flughafen Lod anrichteten, hat ganz Japan schockiert und beschämt.

Der Teufel im Prinzip

Vorsorglich baut man bereits jetzt in Bonn dem Mißverständnis vor, daß die Unterbrechung der Grundvertragsverhandlungen zwischen den Staatssekretären Bahr und Kohl im kommenden Juli eine Krise signalisieren könnte.

Ein Berg von Problemen

Noch sind die Erfolgsaussichten der Gespräche über die weitere Regelung der Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und der DDR nicht abzusehen.

Programm für die Erde

Nur Träumer konnten hoffen, daß die Stockholmer Umweltkonferenz schnellwirkende Rezepte für eine saubere und heile Welt entwickeln, daß sie Allheilmittel für verseuchte Luft und verschmutztes Wasser präsentieren würde.

Nimmt der Terror kein Ende?

Die Szene hätte aus einem Roman über die sizilianische Mafia stammen können: Desmond Mackin hatte Frau und Mutter am Sonntag abend mit in seinen Verein genommen.

Doppelkreuz

Es war immer und unbestritten eines der höchsten Ziele von Charles de Gaulle, alle Franzosen in seinem Namen zu einigen. Als er 1958 wieder an die Macht kam und eine Regierung auf sehr breiter Grundlage bilden konnte, meinte er im ersten Ministerrat: „Jetzt fehlen nur noch Maurice Thorez (der Kommunistenführer) und Ferhat Abbas (der damalige Chef der algerischen Exilregierung) – und man kann nie wissen .

Bischofsstreit

Frommer Illusion huldigte ein knappes Zweidrittel der Westberliner Synodalen. Mit einer Stimme Mehrheit verhinderten sie fürs erste eine neue Regelung für die evangelische Kirche Berlin-Brandenburg, die von der Ostberliner Synode befürwortet und von Bischof Scharf unterstützt worden war: die Einsetzung von zwei Bischöfen in den beiden getrennten Teilen der Kirche.

Schwankender Boden

Er wolle nicht "wie ein Bademeister nach der Sommersaison" wieder nach Hause geschickt werden, sagte der Christdemokrat Giulio Andreotti Anfang dieser Woche.

Will kein Henker sein

Hat der 32 Jahre alte Volksschullehrer Friedrich Rodewald aus Langenhagen bei Hannover eine Gewissensentscheidung getroffen oder einen taktischen Winkelzug vollzogen? Die Beantwortung dieser Frage interessiert Rodewalds Genossen in der SPD gleichermaßen wie seine Kollegen in der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), seitdem der Nachwuchspädagoge – so Kriminaldirektor Hans-Joachim Butte vom Landeskriminalpolizeiamt Niedersachsen – „den entscheidenden Hinweis gegeben hat, der zur Festnahme von Ulrike Meinhof am 15.

Rundfunk-Kumpanen

Der mächtigste Rundfunk- und Fernsehsender in der Bundesrepublik, der Westdeutsche Rundfunk in Köln (WDR), wird parteipolitisch regiert und kontrolliert.

Blutbad

Oberhausen liegt in Deutschland. In Oberhausen hat sich in der vorigen Woche eine Bluttat ereignet, die mit normalem Verstand nicht zu fassen ist.

Stilleben und Bomben

Sie suchten eine Werkstatt und fanden im 18geschossigen Wohnriesen am Bornheimer Hang in Frankfurt ein Bomben- und Waffenarsenal, das selbst die Baader-Meinhof-Fahnder schockte.

Basedow tritt ab

Als der niedersächsische Landtag Ende Juni das „Gesetz zur Neugliederung der Gemeinden im Raum Lüchow“ verabschiedete, besiegelte er damit gleichzeitig das Schicksal eines kommunalpolitischen Kuriosums: Mit dem 1.

Drogensüchtige: Es war zuerst wie eine große Beichte

Was denken diese Leute eigentlich? Ihre Versäumnisse in der Erziehung soll der Steuerzahler gutmachen? Wo nehmen diese Leute nur den Mut her, für ihre mißratenen Kinder diesen Aufwand zu fordern? Was geht uns Meiers oder Lehmanns süchtige Tochter an?“, empörte sich Leserbriefschreiber G.

Diplomatie für Vietnam

Obwohl die Besuche des sowjetischen Staatsoberhauptes Podgorny in Hanoi und des amerikanischen Präsidentenberaters Kissinger in Peking die Hoffnung auf eine baldige Regelung des Vietnamkrieges wieder haben steigen lassen, scheint der Friede für Südostasien noch weit entfernt zu sein.

Ulrike Meinhof verhaftet

Der „harte Kern“ der Baader-Meinlof-Gruppe ist verhaftet. Nach Baader, Meins, Raspe und Gudrun Ensslin konnte die Polizei in der vergangenen Woche in einer Wohnung in Hannover-Langenlagen die 37 Jahre alte frühere Journalistin Ulrike Meinhof festnehmen.

Umweltschutz: Konferenz beendet

Die zweiwöchige Umweltschutz-Konferenz der Vereinten Nationen ging am vergangenen Freitag in Stockholm zu Ende. Die Abstimmung über das lange umstrittene Schlußdokument der Konferenz, die Deklaration über die menschliche Umwelt, spiegelte noch einmal einen Teil der heftigen Kontroversen der vergangenen vierzehn Tage: China stimmte gegen den Paragraphen 26, der den Schutz des Menschen vor der Auswirkung atomarer Waffen fordert; Südafrika lehnte den Artikel ab, der die Apartheidpolitik verurteilt; Brasilien wollte sich nicht auf eine Sicherung des ökologischen Systems festlegen lassen und wird mit der Rodung des Urwaldes fortfahren, um dort Industrien ansiedeln zu können.

Dokumente der ZEIT

„5. Einige Tage später besorgte ich mir den Text der Bundestagsdebatte, las ihn, und es lief mir eiskalt den Rücken herunter, nicht, weil mein Name gefallen war, sondern weil ich feststellen konnte, daß die CDU/CSU offenbar entschlossen gewesen war, sich beim Problem „innere Sicherheit“ auf eine Intellektuellenhetze einzuschießen; beachtet man vor allem auch die Zwischenrufe, so hat man den Eindruck, als Wäre die Bundesrepublik Deutschland ernsthaft bedroht, nun nicht mehr von der BM-Gruppe (da inzwischen auch Gudrun Ensslin gefaßt worden war), sondern von den Helfershelfern, den Humuslieferanten.

Katastrophen: Drei Abstürze

Mehrere schwere Unglücke, die zahlreiche Menschenleben forderten, ereigneten sich in der vergangenen Woche. Drei Passagierflugzeuge stürzten ab: 84 Insassen einer Maschine der Japan Airlines starben, als das Flugzeug beim Anflug auf die indische Hauptstadt Neu-Delhi abstürzte.

Krisenherde der Woche

Der Chefredakteur der halbamtlichen Kairoer Zeitung Al Ahram hat in einem Artikel die gegenwärtige unentschiedene Lage zwischen Ägypten und Israel als eine Gefahr für Kairo bezeichnet: Wenn im Nahostkonflikt nicht bald eine Lösung gefunden werde, sei die Glaubwürdigkeit Kairos, seine führende Rolle in der arabischen Welt und sein politisches System gefährdet.

Neue Runde Bahr-Kohl

In der vergangenen Woche begannen die Staatssekretäre Bahr (Bundesrepublik) und Kohl (DDR) mit ihren Delegationen in Ostberlin die Gespräche über einen „Generalvertrag“ zwischen beiden Staaten.

Japan: Sato tritt zurück

Der japanische Ministerpräsident Sato erklärte am Samstag vor dem Fernsehen, daß er im November von seinem Amt zurücktreten wird.

Afrika: Geld für Guerillas

Eine stärkere Unterstützung der Befreiungsbewegungen in Afrika beschloß die 9. Jahreskonferenz der Organisation für Afrikanische Einheit (OAU) in der vergangenen Woche in der marokkanischen Hauptstadt Rabat.

Aggressiv und gleichgültig: Jugend 72

Sind deutsche Schüler nur noch brutale Rabauken? Diesen Eindruck suggerieren Schlagzeilen der letzten Zeit: „Schüler schlug Lehrer zusammen“ (Bild), „Gymnasiasten hausten wie Vandalen“ (Stuttgarter Zeitung), „In immer mehr Klassenzimmern macht das Faustrecht Schule“ (stern), „Ein Strick für den Lehrer – wie Gymnasiasten den Klassenkampf trainieren“ (Rheinischer Merkur).

Der Amerikaner wird gewinnen

Der Verfasser spielte schon mit sechs Jahren, seit nunmehr 59 Jahren, Schach. Er gehörte 1931, 1935 und 1937 zur amerikanischen Anwärtermannschaft für die Weltmeisterschaft und errang dreimal den Titel des USA-Champions.

Abroad • Del extranjero • De l’étranger: 13mal ins Kino

Ein Rest von Abenteuerlust ist unverkennbar mit im Spiel, wenn man sich auf den langen Weg nach Taschkent macht. Konkrete Vorstellungen von dem, was auf einem Filmfestival in Zentralasien zu erwarten ist, hat man kaum; sicher scheint nur, daß die Begegnung mit der Sowjetrepublik Usbekistan interessanter sein wird als das Filmprogramm.

Der Pole und Deutschland

KRYSTYNA NASTULANKA: Ihre frühere längere Abwesenheit von der Heimat, die mit Wanderungen durch die Welt ausgefüllt war, erbrachte den Essayband „Ein Barbar im Garten“.

Wolf Donner in Amerika:: Praxis statt Politik bei den Studenten

Als Präsident Nixon am Abend des 8. Mai im Fernsehen die Verminung der nordvietnamesischen Häfen bekanntgab, brach im ganzen Land der Protest der Studenten aus, mit einer Intensität, die viele Beobachter an die Reaktionen auf die Kambodscha-Invasion 1970 erinnerte.

für und gegen: Fußball

Jetzt, da "wir" Europameister geworden sind, dringt der Fußball als Gesprächsthema auch wieder in gehobene Kreise...........

DIE NEUE SCHALLPLATTE

Diese Aufnahme stammt aus der Zeit, da Menuhin sich noch nicht auf die Kapellmeistern verlegen mußte. Er geigt das Brahms-Konzert so hinreißend impetuos und zugleich meditativ, wie Furtwängler es dirigiert.

Superstring mit Bier

Köln, Severinsbrücke; Bundesstraße 55 bis Obersteeg, links abbiegen in Richtung Wipperfürth bis Schloß Georghausen und dann die kleine Straße links hinauf vorbei am Schild „Hundepension“.

ZEITMOSAIK

Wie viel, beziehungsweise wie wenig ein Doktorat heutzutage noch wert sei, darüber meditiert man hierzulande gelegentlich. Aus England kommen jetzt exaktere Angaben zu diesem Thema: Das Geschäft mit den akademischen Ehren ist zum Millionengeschäft geworden, seitdem die bisher nur aus den USA bekannten „Doktorfabriken“ auch dort ins Kraut schießen.

Den Direktor sollen alle wählen

Hans Negel, Primaner und Landesschulsprecher in Hamburg, trumpfte auf: Was den Schülern an Mitsprache eingeräumt werde, sei „eine Sandkastendemokratie von Lehrers Gnaden“.

Was alles zur Gewalt führt

3. April 1971: Vor dem Werkraumtheater der Münchner Kammerspiele steht eine johlende Menge. Stinkbomben und faule Eier fliegen gegen die Premierenbesucher und zerschellen an den Glasscheiben des Foyers.

Eine Worpsweder Elegie

Ein Sommerabend in Worpswede. "Aus der blauen Tiefe ruft das Gestern ..." Mädchen lagern auf der Wiese, mit Blumen im Haar, Rosen in den Händen.

Kunstkalender

Im schwarz verhängten Schockraum liest der Besucher bei elektrischen Lichtblitzen: „Wir versichern uns gegen alles. Wir bereiten uns auf alles vor.

FILMTIPS

Im Fernsehen: „Rattennest“ (USA 1955), von Robert Aldrich (West III 23. Juni). „Red River“ (USA 1948), von Howard Hawks (Südwest III 24.

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