Der japanische Ministerpräsident Sato erklärte am Samstag vor dem Fernsehen, daß er im November von seinem Amt zurücktreten wird. Seinen Vorsitz in der Liberal-Demokratischen Partei legte er bereits mit Zustimmung des Parteivorstandes nieder.

Der 71jährige Sato, seit 1964 Ministerpräsident von Japan, verband die Ankündigung seines Rücktritts mit einem Angriff gegen seine schärfsten Widersacher der vergangenen Monate: die Presse. Vergeblich warteten zahlreiche Journalisten auf den japanischen Ministerpräsidenten. Mit der Begründung, nur das Fernsehen sage die Wahrheit, ließ Sato die Presseleute am Samstag allein und kündigte vor den Kameras exklusiv seinen Rücktritt an.

Der Streit mit den Zeitungen hatte seinen Höhepunkt erreicht, als der amerikanische Präsident Nixon ohne die vorherige Konsultation und Information seines engsten Verbündeten im Fernen Osten, Japan, im vergangenen Jahr seinen Peking-Besuch bekanntgab. Sato, unter dessen politischer Führung Japan den größten wirtschaftlichen Aufschwung seiner Geschichte erlebte, fühlte sich zutiefst verletzt und von den Zeitungen ungerecht behandelt.

In der japanischen Öffentlichkeit werden die Dinge allerdings etwas anders gesehen: Sato hatte während seiner gesamten Regierungszeit ein schlechtes Verhältnis zu der Presse des Landes. Er bevorzugte es, die Journalisten erst dann zu unterrichten, wenn vollendete Tatsachen geschaffen waren. Selbst seine Frau gab kürzlich gegenüber einem Magazin zu: Er ist zu schweigsam, als daß er ein guter Politiker sein könnte.

Die Frage, wer der Nachfolger Satos sein wird, ist offen. Die Liberal-Demokratische Partei wird am 5. Juli einen neuen Vorsitzenden wählen, der dann bei den gegenwärtigen Mehrheiten auch mit großer Sicherheit zum neuen Ministerpräsidenten gewählt werden wird. Die Favoriten der Partei: Außenminister Takeo Fukuda und Handelsminister Kakuei Tanaka.