Spricht die Seele, so spricht, ach, schon die Seele nicht mehr. Friedrich Schiller

Doktor unehrenhalber

Wie viel, beziehungsweise wie wenig ein Doktorat heutzutage noch wert sei, darüber meditiert man hierzulande gelegentlich. Aus England kommen jetzt exaktere Angaben zu diesem Thema: Das Geschäft mit den akademischen Ehren ist zum Millionengeschäft geworden, seitdem die bisher nur aus den USA bekannten „Doktorfabriken“ auch dort ins Kraut schießen. Einige von diesen Instituten veranstalten zwar noch Kurz-Kurse, um den akademischen Schein zu wahren, bei den meisten jedoch kann man direkt und ohne wissenschaftliche Umständlichkeit den ersehnten Ehren-Grad erkaufen: den BA (Bachelor of Arts) zum Beispiel für nur 240 Mark, den PhD (Doctor of Pbilosophy) für 480 Mark und, hier ist wohl an ältere Jahrgänge gedacht, den Professor Emeritus für 850 Mark. Wozu so etwas nützlich ist? Um als britischer Ehrenmann irgendwo in dieser Welt, wo die Kenntnis über die wirklichen englischen Universitäten nicht allzu groß ist, als britischer Wissenschaftler akzeptiert zu werden. Die englische Regierung sieht sich außerstande, gegen diesen schwunghaften Handel einzuschreiten, weil nirgendwo Begriffe wie „Universität“ oder „Diplom“ definiert sind. Und hier freilich beginnen wieder die Parallelen mit der Bundesrepublik.

Jugendbuchpreis 1972

Z war standen fünf Auszeichnungen zur Verfügung, allein die Jury mochte den 17. Deutschen Jugendbuchpreis nur in drei Kategorien verleihen. Mit je 7000 Mark wurden prämiiert: in der Gruppe „erzählendes Buch“ Otfried Preusslers „Krabat“ (Arena-Verlag, Würzburg), unter den Sachbüchern „Höhlen – Welt ohne Sonne“ von Ernst W. Bauer („International Library, Union-Verlag, Stuttgart/Verlag J. F. Schreiber, Esslingen) und – als Lohn für einen nicht hoch genug einzuschätzenden Mut zum Risiko – „Geh und spiel mit dem Riesen“, ein „erstes Jahrbuch der Kinderliteratur“, eine weit aus dem übrigen Angebot herausragende Anthologie von Hans-Joachim Gelberg (Julius Beltz Verlag, Weinheim). Weder Bilderbücher noch Literatur für die ganz Kleinen scheinen in der letzten Saison gut genug gewesen zu sein für einen Preis. In diesem Jahr waren übrigens erstmalig auch Jugendliche in der Jury vertreten, mit beratender Funktion; daß ihre Stimmen dann doch nicht gewertet wurden – nun, es ist auch hier noch nicht aller Tage Abend.