DIE ZEIT

Gipfeldienst

Die diplomatischen Präliminarien zum europäischen Gipfeltreffen sind ungewöhnlich eindrucksvoll: Brüske Erklärung Pompidous, man sei sich „über nichts oder über fast nichts einig“, unter diesen Umständen sei eine Gipfelkonferenz wenig sinnvoll; vorsichtige Mahnung Brandts, es sei „vernünftig, den westeuropäischen Gipfel nicht zu verschieben, sondern auf die Punkte zu konzentrieren, über die tatsächlich eine Einigung erzielt werden kann“; Aktivität der Außenwirtschafts- und Finanzminister; Treffen zwischen Brandt und Pompidou.

Zwang zur Neuwahl

Die Entscheidung ist gefallen. Bundeskanzler Brandt hat im Einverständnis mit seinem Koalitionspartner Walter Scheel erklärt, „daß wir Neuwahlen in diesem November anstreben“.

Dislers Erzählungen

So ungefähr könnte ein Agentenstück anfangen: aufschneiderischen Journalist, schweizerischer Nationalität, Fremdenlegionär mit Kopfschuß, Sekretarius a.

Nachgeholt

Spät gereifte Früchte der Erkenntnis fallen oft hart und plötzlich. Eine öffentlich nur wenig notierte Rede Kardinal Döpfners am 13.

Wie ernst ist die Währungskrise?

Nun strömen wieder Spekulationsgelder in die Bundesrepublik. Den Ruf, eine starke Währung zu sein, teilt die Mark mit dem Schweizer Franken.

ZEITSPIEGEL

„Einen Mann, der mir zweimal mit Handschlag versicherte, er würde zu mir kommen, wenn sich nur das geringste an dem ‚Nein‘ zu den Verträgen ändert, und der dann, wie geschehen handelte, kann ich nicht für geeignet halten, unsere Sache zu vertreten.

Ärger mit den Partei-Jungen

Je näher der Wahlkampf rückt, um so mehr gilt für die Parteien das Gesetz der Geschlossenheit. Am wenigsten beeindruckt von dieser Regel sind die Jugendorganisationen.

Schock-Theorie

Im Hamburger Hoppe-Prozeß ließ sich der Polizist, der Petra Schelm erschossen hatte und als Zeuge aussagen sollte, entschuldigen: Er stehe unter „schwerem seelischen Druck“.

Jagd auf den „Kurier“

Wenn Kurt Falk das Rennen macht, dann wäre Axel Springer neben ihm „ein Waisenkind der Meinungsindustrie“, schrieb dieser Tage die Wiener Wochenpresse.

Paria in Prag

Die okkupierte Tschechoslowakei hat den Nullpunkt, auf den sie nach dem kurzen Höhenflug des Prager Frühlings zurückgezwungen werden soll, immer noch nicht erreicht.

Was ein Anwalt darf

„Es muß unser Sinnen und Trachten sein, die Wahrung des Standesrechts bleibend auf die Pfeiler der unvergänglichen Ideale der Anwaltschaft zu gründen und durch die ehrengerichtliche Rechtsprechung allen Standesgenossen das Leben der anwaltlichen Ideale vor Augen zu führen; das Gemeingut sittlicher Anschauung und rechtlicher Wertung in den Urteilen der Ehrengerichte zur Geltung zu bringen; damit aber Standessitte und Standesbewußtsein weiter zu stärken und in den Mitgliedern der Standesgemeinschaft dadurch die Kraft zu begründen, die sie für die lautere Erfüllung der schweren Aufgabe des Berufs brauchen.

Sorge um den Frieden

Am Ende des dritten Bandes seiner „Denkwürdigkeiten“ erinnert der ehemalige Reichskanzler Fürst Bülow an die Geschichte, die Herodot von jenem Perser erzählt, der unter seinem Feldherrn Mardonius im Krieg gegen die Griechen der persischen Niederlage von Platää entgegenzog: Er wisse, so berichtete jener Perser unter Tränen, daß nur wenige der Seinen dem Tod entrinnen würden.

Ruhe vor dem Sturm

Wenn die fünfzigjährige Geschichte des nordirischen Bürgerkriegs geschrieben wird, dann nimmt die IRA darin etwa die Rolle ein, die den Schweden im Dreißigjährigen Krieg in Europa zukommt: ursprünglich mit einer der beiden konfessionellen Seiten verbunden, bestand ihre Rolle später nur im Verbreiten von Furcht und Schrecken.

Die Zwitter-Truppe

Der zeitliche Zusammenhang war nicht geplant, wohl aber erwünscht: Just auf dem Höhepunkt der BM-Fahndung verabschiedete der Bundestag in seiner letzten Sitzungsphase vor den Sommerferien ein umfangreiches Gesetzespaket zur inneren Sicherheit.

Ende einer Feindschaft?

Drei Kriege haben Indien und Pakistan miteinander ausgetragen. Ihre 25jährige Geschichte ist vom Haß überschattet. Nun wollen sich Indira Ghandi und Zulfikar Ali Bhutto im kleinen Himalaja-Städtchen Simla um die endgültige Beilegung der Konfrontationen bemühen.

Das fremde Ohr im Parteivorstand

Schweigend schmachteten die fünf Ehrenmänher eine Woche im Washingtoner Untersuchungsgefängnis. Dann wurden sie, wenn auch nicht gleich alle, vom Richter gegen saftige Kautionen nach und nach auf freien Fuß gesetzt.

Kommunisten im öffentlichen Dienst?

In der vorigen Ausgabe beantwortete Richard Löwenthal auf Seite 3 die Frage „Wer ist ein Verfassungsfeind?“ Untertitel: „Zur Diskussion, ob Beamte im öffentlichen Dienst Kommunisten sein dürfen“.

Rüge für den Hamburger Bezirksamtsleiter Lindemann: Alles manipuliert

Einer der bemerkenswertesten Bauskandale in der Bundesrepublik hat auf eine sehr übliche Weise sein Ende gefunden: Zwar ist der Bösewicht in dieser Geschichte, der Bezirksamtsleiter des Stadtteils Bergedorf Wilhelm Lindemann, vom Hamburger Landesparlament „ernsthaft gerügt“ worden, aber gebaut wird „Das illegale Hochhaus“ (ZEIT, Nr.

Tod durch die Tür

Der Schild der Polizei, der nach den erfolgreichen Aktionen gegen die BM-Gruppe zu glänzen begann, hat einen dunklen Fleck bekommen.

Ärger mit Oertzen?

Die Lage schien ernst. „Ministerpräsident Alfred Kubel wollte seinen profiliertesten Mitarbeiter, Kultusminister von Oertzen, aus dem Kabinett feuern“, schrieb Reimar Oltmanns, einst Pressesprecher im niedersächsischen Kultusministerium, im stern über seinen früheren Chef.

Beckmann

Trommeln gehört zum Handwerk. Das weiß nicht nur dieser ehrbare Stand seit eh und je. Doch unüblich war es bisher, daß auch die so oft zitierte und vielgeschmähte öffentliche Hand zur Werbetrommel greift.

Nordirland: Pause im Bürgerkrieg

Zum erstenmal seit drei Jahren begann am Dienstag in Nordirland eine, wenn auch zunächst nur trügerische, Waffenruhe. Eine Minute vor Montagmitternacht stellte der sogenannte „provisorische“ Flügel der illegalen Irisch-Republikanischen Armee (IRA) seine Heckenschützen- und Bombenaktionen ein.

Vergeltung im Fatah-Land

Drei Wochen nach dem Massaker auf dem israelischen Flughafen Lod, wofür palästinensische Kommandos im Libanon verantwortlich zeichneten, hat Israel im Südlibanon mehrere Vergeltungsschläge geführt.

Pfund-Krise: Näher dem Gipfel

Die Krise um das britische Pfund hat die Aussichten für eine Gipfelkonferenz der zehn EWG-Staaten wieder verbessert, nachdem es noch am Tage zuvor so ausgesehen hatte, als ob Frankreich die Konferenz um einige Zeit verschieben wolle.

Fallschirme über Mururoa?

Der geplante französische Nukleartest über dem Mururoa-Atoll im Pazifischen Ozean ist auf unerwartet heftigen Widerstand gestoßen.

Dokumente der ZEIT

„Ist wissenschaftliche Tätigkeit und technische Forschung aus sich selbst heraus und jederzeit zweckvolles Handeln? Max Born hat da schon schärfer unterschieden, als er feststellte: Der Verstand unterscheidet zwischen möglich und unmöglich, die Vernunft zwischen sinnvoll und sinnlos.

Innere Sicherheit

Noch kurz vor Beginn der Sommerpause hat der Bundestag mit überwältigender Mehrheit eine Reihe von Gesetzen zur inneren und äußeren Sicherheit verabschiedet, von denen drei mit Grundgesetz-Änderungen verbunden waren, also nur mit den Stimmen der Opposition verabschiedet werden konnten.

Bombenteppiche vor Hué

Ein neuer Vorstoß der Nordvietnamesen auf Hué, schwerste Bombenangriffe der Amerikaner, zunehmendes Mißtrauen Hanois gegenüber den Verbündeten in Moskau und Peking und die damit verbundenen neuen Hoffnungen auf eine Lösung des Vietnamkonflikts bestimmten in der vergangenen Woche das Geschehen in und um Südostasien.

Das Ende der Einzelgänger

Es ist schon 125 Jahre her, daß Karl Marx schrieb: „Der Heiligenschein ist überhaupt von allen Verhältnissen der alten Gesellschaft gefallen, indem sie sich in reine Geldverhältnisse aufgelöst haben.

Olympia-Schatten voraus

Zum Auftakt des Münchner olympischen Kunstsommers präsentiert das Stadtmuseum am Jakobsplatz eine enzyklopädisch ausufernde Superschau: „Bayern: Kunst und Kultur“ – ein geistesgeschichtlicher Weitsprung von den Römern bis in die Gegenwart.

Konstanz in Not

Erst gab der wiedergewählte Regierungschef Filbinger die Regierungserklärung ab, dann stand die Universität Konstanz zur Debatte.

Kunstkalender

Diese unglaublich subtilen, vibrierenden Drahtgebilde, die auf Federn schaukeln, zitternde Antennen ausstrecken und mit winzigen Kugeln jonglieren, sind heute noch ebenso attraktiv wie vor sechs Jahren, als Günter Haese auf der Biennale debütierte.

FILMTIPS

Im Fernsehen: „Er“ (Mexiko 1952), von Luis Buñuel (West III 30. Juni). „Intolerance“ (USA 1916), von David Wark Griffith (West III 1.

ZEITMOSAIK

Wenn es doch nicht nur bei guten Worten bliebe: In einer Resolution verlangt der Bund Deutscher Architekten „die Unabhängigkeit der Planung“ von „wirtschaftlichen Interessen sowie politischen und technischen Sachzwängen“.

Unsere Sprache: Echtheit

In unserer Sprache, mehr in der gesprochenen als in der geschriebenen, macht sich die Vokabel „echt“ breit. Sie ist vorlaut, sie macht sich auch dort wichtig, wo sie gar nichts zu suchen hat.

ARGUMENTE für und gegen: Gott

Weder will ich mir theologische Kompetenzen anmaßen, noch will ich mit Heiligem profan umgehen. Hier wie bei den anderen Themen geht es für den Autor lediglich darum, wiederzugeben, was er gehört oder (in diesem Falle so gut wie ausschließlich) gelesen hat.

Im Brennpunkt des Gesprächs: Handgreifliche neue Einsichten

Als ich im Jahre 1961 in Zusammenarbeit mit Alphons Silbermann begann, der sozialen und wirtschaftlichen Lage des unversorgten selbständigen Künstlers nachzugehen, war ich mir einigermaßen klar darüber, daß wir in unbekanntes Neuland vorstießen.

Ohne ihn kein Anfang

1969 war sie die erste Hauptforderung des neugegründeten Verbands Deutscher Schriftsteller (VS) gewesen, als das „Ende der Bescheidenheit“ dämmerte.

Barock in über 20000 Versen

Wer einmal des Barockpoeten Quirinus Kuhlmanns Hauptwerk, den „Kühlpsalter“, von vorn bis hinten durchgelesen hat – die Lektüre von Klopstocks „Messias“ nimmt sich dagegen wie die eines Kriminalromanes aus –, der kann sich in etwa vorstellen, warum erst mehr als zehn Jahre nach der ersten Ankündigung der Neudruck dieses wohl merkwürdigsten Buches des siebzehnten Jahrhunderts erscheinen konnte.

VON ZEIT-MITARBEITERN

Marianne Kesting: „Auf der Suche nach der Realität – Kritische Schriften zur modernen Literatur.“ Der Band enthält Aufsätze und Kritiken, von denen ein großer Teil für die ZEIT geschrieben wurde.

KRITIK IN KÜRZE

„Filmbibliographisches Jahrbuch der BRD 1970“, von Hans-Wolfgang Jurgan. Dieses Unternehmen wird die Herzen derer höher schlagen lassen, die Filme mögen oder professionell mit Filmen zu tun haben.

Nach altem Brauch

Die Kinder in diesem sich dokumentarisierend gebenden Film fragten gar nicht. Sie waren sicher: „Also, ich glaube nicht an Gott.

+ Weitere Artikel anzeigen