Immer häufiger kommt es vor, daß eingesperrte Gastarbeiter in ihren Zellen Krach schlagen. Das liegt an Verständigungsschwierigkeiten. Verhaltensvorschriften und Merkblätter sind in deutscher Sprache abgefaßt, und die können sie doch meistens nicht lesen, und Dolmetscher sind nicht da. Um Auseinandersetzungen mit den Aufsichtsbeamten, die sogar tätlich verlaufen, einzuschränken, müßten die Verhaltensvorschriften und Merkblätter wenigstens in Englisch, Französisch, Italienisch, Griechisch, Serbo-Kroatisch, Türkisch und Arabisch ausliegen, auch wenn manche gar nicht lesen können; aber es beruhigt.

Ist Buttje F., der zweieinhalb Jahre wegen schweren Diebstahls im Wiederholungsfalle, Körperverletzung, Hausfriedensbruch und Nötigung abgesessen hat, nicht ganz verändert wieder herausgekommen? Sein Bruder sagt: „Der hat für die Gefangenenzeitung Leserzuschriften sortiert und sich die Haare auch lang wachsen lassen, solche Typen sind das, und links stehen sie, ich meine die Hauptmacher in dem Laden.“ Und wie Buttje F. jetzt redet. Als ich mit den Gastarbeitern anfing, die immer häufiger in ihren Zellen Krach schlagen, Weil die Verständigungsschwierigkeiten nicht aufhören, unterbrach er mich und fügte hinzu: „Gastarbeiter bleiben, abgesehen davon, in ihrer kriminellen Wirklichkeit stets unter sich, und werden sie kriminell, ist allein unsere muffige Wohlstandsgesellschaft daran schuld. Auf unserer Station hatten wir die Gastarbeiter voll integriert.“ Buttje F. arbeitet wieder als Autoschlosser. Er könnte nebenbei so manche Mark verdienen, schwarz arbeitet er allerdings vorläufig nur für seine neuen Freunde in einem Debattierklub, zwei von ihnen sind mit ihm zusammen entlassen worden, Mädchen sind dort auch, und Buttje F. ist jeden Tag mit einer unterwegs, die das Abitur haben soll. Sein Bruder hat aber herausgekriegt, daß sie vor dem Abitur steckengeblieben ist und Fürsorgerin werden möchte und Buttje F. nur genommen hat, weil er ihren Wagen wie neu gemacht hat und ihr auf ihrem Zimmer zeigt, wozu seine ganze Kraft auch gut sein kann. Sonst plappert er nur nach, was sie sagt, über Politik und so weiter.

Scotland Yard befaßt sich mit Bestechungsfällen in den eigenen Reihen. Chefinspektor Williamson leitete die Fahndung; er fand dabei allerdings nicht die volle Unterstützung seiner Kollegen, und nach 34 Jahren Polizeidienst ließ er sich vorzeitig pensionieren. Wenn ein Londoner Gangster nämlich das Gefühl hat, jemand vom Yard kommt ihm zu nahe, setzt er seine Komplicen auf ihn an. Stellen die nun fest, daß der Beamte vielleicht eine halbe Stunde in seinem Tagesablauf allein war und kein Alibi vorweisen kann, spielen sie seinem Vorgesetzten Informationen zu, nach denen er in der fraglichen Zeit mit der Unterwelt über Bestechungsgelder verhandelt habe, und ist der Mann erst mal beurlaubt, der Vorwurf besteht und kann sich jederzeit wiederholen. Um der Bestechungsgefahr wirkungsvoll zu begegnen, hat Scotland Yard mittlerweile ein kompliziertes Sicherheitssystem ausgearbeitet, das funktionieren soll.

In der Bundesrepublik ist die Unterwelt noch nicht organisiert, und bestochen wird allenfalls die uniformierte Polizei. Zum Beispiel mit warmen Mahlzeiten in bestimmten Lokalen während einer Dienstpause. Gelegentlich sollen „Unbekannte“ in einem passenden Augenblick auch einen Geldschein in einen Funkstreifenwagen werfen, etwa einen Hunderter. Und manchmal werden junge Polizisten von Prostituierten verführt.