Bei der Frage um die Nachfolge von Wirtschafts- und Finanzminister Karl Schiller nach einem Wahlsieg der sozial-liberalen Regierung ist neben Klaus-Dieter Arndt ein neuer Kandidat in der SPD aufgetaucht. Entwicklungsminister Erhard Eppler, der mit Schiller alles andere als auf gutem Fuß steht, wird, neuerdings häufig in der SPD genannt. Eppler selbst meinte unlängst, er halte überhaupt nichts von Spekulationen. Allerdings ließ er auch durchblicken, er sei zu allen Schandtaten bereit, wenn man ihn darum bitte.

Wirtschafts-und Finanzminister Kail Schiller hat nach der Ernennung von Helmut Schlesinger zum Nachfolger des aus den Diensten der Bundesbank scheidenden Erich Zachau auch die Amtszeiten von zwei Mitgliedern des Direktoriums verlängert: für den knapp 65jährigen Johannes Tüngeler um zwei Jahre, für Heinrich Irmler (60) um sieben Jahre. Die Spekulationen, daß Schillers Staatssekretäre Johann Baptist Schöllhorn und Hans Georg Emde Interesse an einem Amt bei der Frankfurter Bundesbank zeigten, haben sich nicht bestätigt. Beide Staatssekretäre bleiben vorerst in Bonn. Sowohl Emde wie auch Schöllhorn, haben mehrfach bestritten, ernsthafte Absichten aufweinen Posten in Frankfurt zu haben. *

Für „baren Unsinn“ hält Kanzleramts-Minister Horst Ehmke Gerüchte, die so unsinnig nicht wären, wenn sie schon vor einem halben Jahr in Bonn umgegangen wären: Karl Otto Pöhl, wirtschaftspolitischer Berater des Bundeskanzlers, könnte Nachfolger von Regierungssprecher Conrad Ahlers werden. Ehmke will nur einen Grund entdeckt haben, der zu solchen Mutmaßungen führte: Einige Leute wollen den Konflikt zwischen SPD-Fraktionschef Herbert Weimer und Ahlers am Leben halten, obwohl ihn die Beteiligten offiziell begraben haben.

Vor allem in der SPD-Bundestagsfraktion gibt es Stimmen dafür, daß Pöhl die Leitung des Bundespresseamtes nach den Bundestagswahlen übernimmt. Im Gegensatz zu den amtierenden Regierungssprechern Ahlers und Rüdiger von Wechmar versteht Pöhl, früher Geschäftsführer beim Bundesverband Deutscher Banken und danach Mittelstandsexperte bei Karl Schiller, etwas von Wirtschaftspolitik. In Pressesachen kennt er sich als ehemaliger Bonner Korrespondent des „Volkswirt“ ebenfalls aus. Und im Gegensatz zu Spiegel-Chefredakteur und Großverdiener Günter Gaus, der auch jetzt wieder als künftige Stimme der Regierung genannt wird, wäre er auch zu bezahlen.

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Während von freien Wechselkursen im offiziellen Bonn nur noch geraunt wird, läßt die „Gemeinschaft zum Schutz der deutschen Sparer“ nicht alle Hoffnungen fahren. Ihr Geschäftsführer Joachim Degner, vom Wert des „Floating“ ebenso überzeugt wie sein Präsident, der Westdeutsche-Landes-Bankier Ludwig Poullain, hält die in Bonn beschlossenen Devisenkontrollen ohne Wechselkursänderungen für gefährlich. Sein Tip: Wenn man den Kurs der Mark schon jetzt dem freien Markt überließe, werde der Dollar bald 3,10 Mark kosten. Entscheide man sich aber erst später, so werde das für Deutschlands Exporteure teurer.

Der Bundesverband Deutscher Banken in Köln verfolgt diese Äußerungen mit wachsendem Ärger. Noch gehören die Banker der Sparerschutz-Gemeinschaft an, wenn sie sich auch an ihren Sitzungen zuweilen nur noch durch Beobachter vertreten lassen. „Aber wenn die dauernd gegen unsere Interessen sprechen“, orakelte ein Banken-Sprecher, „dann nehmen wir bald unseren Abschied.“ Auf die Anfrage des CSU-Bundestagsabgeordneten Erich Ziegler aus Würzburg wird die Bundesregierung wohl oder übel Farbe bekennen müssen: Es wird keinen Vermögensbildungsbericht geben, wie ihn Bundeskanzler Willy Brandt in seiner Regierungserklärung schon für Herbst 1970 angekündigt hatte. Einmal reicht die Zeit nicht mehr, zum anderen fehlt das, was. eigentlich im Mittelpunkt dieses Berichts stehen sollte, nämlich ein Vermögensbildungsplan.