Unter die wechselvolle Geschichte ihres Firmenzeichens – das Bayer-Kreuz – hat Deutschlands zweitgrößter Chemiekonzern, die Bayer AG in Leverkusen, in aller Stille einen Schlußpunkt gesetzt. 27 Jahre nach Kriegsende gehört das Symbol des Kreuzes wieder weltweit der Bayer AG, mit Ausnahme der USA, Kanada, den Bermudas und einigen amerikanischen Touristeninseln in der Karibischen See.

Seit dem 21. April dieses Jahres darf nur noch Bayer das Zeichen in England, Südafrika, Australien und Neuseeland, Rhodesien, den Philippinen und Irland benutzen. Solange hatte eine Tochtergesellschaft des amerikanischen Sterling-Winthrop-Konzerns, die sich in England Bayer Products Ltd. nannte, ihre Erzeugnisse unter dem Bayer-Kreuz verkauft.

Was der Rückerwerb des Markenzeichens den Leverkusener Konzern gekostet hat, bleibt Geschäftsgeheimnis: „No comment“ heißt es bei der Pharma-Sparte von Bayer. Der Kommentar aus England lautet schlicht: „An awful sum“ – eine ungeheure Summe.

Beim Ausbruch des Ersten Weltkrieges war in England bereits einmal das Bayer-Kreuz beschlagnahmt worden, das seine Entstehung der Firmensage zufolge einem Zufall verdankt. Ein wissenschaftlicher Mitarbeiter hatte 1900 während einer Unterredung das Wort BAYER einmal von links nach rechts und noch einmal von oben nach unten auf einen Zettel gemalt. Dieses Zeichen löste den, Bayer-Löwen ab, der nacheinander eine Färber-Spindel, einen Merkurstab und schließlich eine Weltkugel in den Pfoten hielt – im Firmenjargon „Katze mit Ball“.

Die Werbewirksamkeit des augenfälligen Bayer-Kreuzes ließ den auf populär-medizinische Präparate spezialisierten Sterling-Konzern zugreifen, als das beschlagnahmte Warenzeichen zum Kauf ausgeboten wurde. Seither schmückte es die verschreibungspflichtigen, Präparate der Sterling-Tochter Winthrop. Erst 1923 gelang Bayer nach langwierigen und kostspieligen juristischen Auseinandersetzungen ein Vergleich, der eine gemeinschaftliche Führung des Pharmageschäftes unter dem Bayer-Kreuz mit Sterling vorsah. Namen und Markenrechte wurden auf gemeinschaftliche Firmen eingetragen.

Der deutsche Anteil an diesen Firmen wurde 1939 erneut beschlagnahmt, so daß Sterling das zugkräftige Kreuz bis zu diesem Jahr allein benutzen konnte. Bayer durfte in England und den Gebieten, in denen die englische Regelung galt, noch nicht einmal den eigenen Firmennamen benutzen. Seine pharmazeutischen Produkte mußten von einer Firma vertrieben werden, die sich FBA Pharmaceuticals Ltd. nannte.

Seit dem 21. April segelt Bayer auch in England und den übrigen englischsprachigen Ländern wieder unter eigener Flagge. Die Steiling-Winthrop-Tochter Bayer Products Ltd. firmiert seither unter dem Namen Winthrop Labs. Ltd., während die englische Beteiligungsgesellschaft von Bayer ihren Namen von dem nichtssagenden FBA in Bayer Pharmaceuticals Ltd. änderte. Um Störungen im Markt zu vermeiden, betonen beide Partner, daß der Übergang von Name und Firmenzeichen in freundschaftlichem Einvernehmen vereinbart wurde. Offensichtlich waren beide Seiten, des Streits und der hohen Kosten müde.