George McGovern, Senator aus Süddakota, ist in seinem Siegeslauf zur Präsidentschaftskandidatur der Demokraten empfindlich gebremst worden. Der Beglaubigungsausschuß seiner Partei nahm ihm 151 der 271 Stimmen, die er in den kalifornischen Vorwahlen vom 6. Juni errungen hatte, und sprach sie Senator Hubert Humphrey und sieben anderen Kandidaten zu – entgegen dem Wahlgesetz Kaliforniens, das dem Bewerber mit der relativen Mehrheit alle Delegiertenmandate überträgt.

McGovern bezeichnete das Vorgehen des Ausschusses als „korrupt, zynisch, gehässig und schäbig“. Der Ausschuß berief sich dagegen auf den Grundsatz der proportionalen Vertretung aller Bevölkerungskreise, den gerade der Senator im Reformausschuß seiner Partei durchgesetzt habe. McGovern hatte in Kalifornien 44 Prozent (Humphrey 39 Prozent) der Stimmen errungen und sich damit 1442 der 1509 Delegiertenmandate gesichert, die er braucht, um auf dem Konvent in Miami am 10. Juli als Kandidat nominiert zu werden.

Der Streit um die Entscheidung des Beglaubigungsausschusses droht die Demokratische Partei zu spalten. In ihm kommt das Mißbehagen des konservativen Flügels zum Ausdruck, dem McGoverns Wahlprogramm zu weit geht, obwohl dieses Programm, das Mitte voriger Woche vorgelegt wurde, schon einen Kompromiß darstellt. Es sieht vor:

  • sofortige Beendigung des Vietnamkrieges, Amnestie für Kriegsdienstverweigerer, erhebliche Kürzung der Militärausgaben;
  • Truppenreduzierung in Europa und Einstellung der Hilfe für Griechenland;
  • Steuerreform, höhere Leistung der Sozialversicherung, Schaffung neuer Arbeitsplätze.

Weitergehende Anträge – wie etwa ein garantiertes Mindesteinkommen durch 1000-Dollar-Prämien – wurden ebenso verworfen wie Anträge des Wallace-Flügels – Wiedereinführung der Todesstrafe, Abbau der Schulintegration.

Für weite Teile der Demokraten ist offenbar Senator Edward Kennedy der beste Kandidat. Umfragen geben ihm im Wahlkampf mit Nixon größere Aussichten als McGovern.