Auch die fünfte Runde der deutschtschechoslowakischen Konsultationen, die am Donnerstag voriger Woche nach siebenmonatiger Pause in Prag wiederaufgenommen wurden, hat kein Ergebnis gebracht. Beide Seiten vereinbarten eine „Denkpause“, die jederzeit für neue Gespräche unterbrochen werden könne. Die deutsche Delegation unter Staatssekretär Frank reiste nach zwei Tagen ab.

Hauptstreitpunkt war wie früher das Münchner Abkommen von 1938. Prag wünscht immer noch, Bonn solle das Abkommen ex tunc, von Anfang an, für ungültig erklären. Dazu ist die Bundesregierung aber mit Rücksicht auf mögliche Rechtsfolgen, zum Beispiel für die Sudetendeutschen, nicht bereit. Die tschechische Haltung hat erstaunt, da voraufgegangene Äußerungen eine Kompromißbereitschaft Prags – etwa mit der Formel „Von Anfang an ungerecht“ – anzudeuten schienen.

Wie Frank mitteilte, hat die tschechische Seite zwei deutsche Vorschläge abgelehnt. Der erste sah vor, mit Prag ein Abkommen analog dem Moskauer Vertrag zu schließen, in dem der Artikel drei mit „präzisen, handfesten Grenzgarantien“ die erste Stelle einnehmen könnte. Zweitens schlug Bonn vor, schon jetzt diplomatische Beziehungen zu vereinbaren und dabei eine gemeinsame Erklärung abzugeben, daß beide Seiten bereit sind, über das Problem des Münchner Abkommens zu verhandeln. Die tschechoslowakische Delegation unter dem stellvertretenden Außenminister Götz sagte in beiden Fällen nein, brachte selbst aber keine neuen Vorschläge ein.

Der CDU-Bundesschatzmeister Leisler Kiep kritisierte die Bereitschaft, das Münchner Abkommen als „von Anfang an ungerecht“ zu bezeichnen. „Ungerecht“ sei von Anfang an die Behandlung der Sudetendeutschen gewesen, die unter Mißachtung des Selbstbestimmungsrechts der Völker nach dem Ersten Weltkrieg in die neu geschaffene Republik Tschechoslowakei hineingezwungen wurden.