Nach dem Motto „Kleider machen Leute“ hat sich die Haute Couture in und um Stuttgart daran gemacht, ihrem „Schwobajörgle“ einen neuen Anzug zu verpassen, eine Schwabentracht oder einheimisch „a Schwoba-Häs“. Als ob die schwäbische Seele konfektioniert werden könnte, haben die Nachfahren des Schneiders von Ulm, der einst mit seinen selbstgeschneiderten Flügeln sich in die Lüfte erheben wollte und in die Donau fiel, wochenlang geschniegelt und gebügelt.

Sie haben alles, was die anderen unter Schwäbisch nicht verstehen, mit Nadel und Zwirn in einer Kreation zusammenzupacken versucht. Die Spezialitätenpalette von Maultaschen, Gaisburger Marsch, Betthupferle oder Granate-Seckel soll so bereichert werden, daß künftig kein Schwabe mehr mit einem Bajuwaren zu verwechseln ist. Genauso, wie das handgeschabte schwäbische Spätzle ja bekanntlich mehrere Kulturstufen höher rangiert als das verhockte bayerische Knöpfle, will sich der schwäbische Würdenträger künftig unverkennbar von dem bayerischen Jodler abheben.

Nicht nur, daß er keine alten Münzen an der Uhrenkette, sondern gute deutsche Mark in der Tasche hat und sein Weinle schlozt, wo der Isar-Hiesel das Bier schüttet, der Schwabe will in die Reihe der Distinguierten aufsteigen: dezent, vornehm, aber daß man’s merkt. Und deshalb hatte auch das Dreßmännle in Blau unter den Image-Designern im Stuttgarter Mozart-Saal den größten Erfolg. Man geht blau. Ein Backnanger hat den neuen Repräsentations-Schwaben gebacken. Seine Weste ist nicht weiß, sondern dunkelblau, dafür aber aus Samt. Dazu trägt er eine rote Krawatte und einen schwarzen Kragen. Nicht mehr das fastnächtliche Fransekleidle oder das blaue Fuhrmannskittele, sondern der blaue Trachtenlook soll davon zeugen, daß die Schwabenmetropole Partner der Welt sein will.

Nikolas Lang