Auf dem deutschen Schuhmarkt soll dem Preiswettbewerb wieder zum Durchbruch verholfen werden, meint die Arbeitsgemeinschaft der Verbraucher (AVG) und empfiehlt, die Branche solle unter wettbewerbspolitischen Aspekten unter die Lupe genommen werden. Die Arbeitsgemeinschaft wurde mißtrauisch, als die Preise für Schuhe von April 1971 bis April 1972 um 9,2 Prozent stiegen.

Auf dem Schuhmarkt stehen einige wenige Einkaufsvereinigungen einer großen Zahl von Herstellern gegenüber. In den Einkaufsvereinigungen geben nach Meinung der AGV die großen Filialhändler den Ton an. Ihre Macht geht so weit, daß sie praktisch die Preise für Schuhe bestimmen können. Der Einzelhändler erhält von den Einkaufsvereinigungen Preislisten, die offiziell als Empfehlungen gelten.

Doch die Vereinigungen – so die AGV – „sorgen durch massiven Druck dafür, daß ihre Mitglieder die Schuhe nicht billiger anbieten“. Sie veranlassen die Hersteller, dafür zu sorgen, daß auch Nichtmitglieder der Einkaufsvereinigungen die Preise nicht unterbieten. Die Folge ist, daß die Preisaufschläge des Handels auf den Herstellerpreis jetzt auf 80 bis 100 Prozent gestiegen sind.

Die Konkurrenz von Niedrigpreisgeschäften werde durch Vertriebsbindungen und Boykottdrohungen abgewehrt. Einiges spreche auch dafür, daß die Einkaufsvereinigungen ihre Marktmacht auch nutzen, um die Preisgestaltung für importierte Schuhe zu beeinflussen. Die Folge dieser Praktiken sei, daß den Verbrauchern für Markenschuhe überall die gleichen, hohen Preise abverlangt würden. jn