ARD, Sonnabend, 1. Juli: „Don Lurio Show“

Eine kleine Show mit Tempo, Charme, Witz, Phantasie, in ihrer Art vollendet – von wem kann man das sagen? Von Don Lurio, einem schwarzhaarigen, von Wuchs kleinen, zierlich gebauten, drahtigen Tänzer aus New York. Er hat – wie schon in seiner ersten Show bewiesen – Humor, wirkt ein bißchen schüchtern, kann sehr schön tanzen und schafft es, eine Ballettgruppe von sechs Damen und sechs Herren pfiffig in Bewegungen zu setzen. Die Choreographie ist einfallsreich, einleuchtend und noch mehr: Es macht Spaß, ihr zuzusehen. Damit ist nicht nur der Solotanz am Schluß der Show gemeint, obwohl er das beste war: Angetan mit einem dehnbaren, über Brust und Knöcheln mit Streifen markierten Kleid, in dem zeitweise Arme und Kopf verschwinden, tanzt er eine groteske Pantomime. Sogar den unvermeidlichen Schlagersängern gibt er teils einen Anschein von unerwarteter Seriosität, teils entlockt er ihnen nicht geahnte Fähigkeiten. Das waren zuerst Cindy (mit einer atemberaubend kalten Stimme) und Bert, die Pop Tops (die mit „O Mamie blue“ auf spanisch kamen), schließlich war das Mireille Matthieu, die aus dem Zusammenspiel von Bild- und Personenregie und ihren eigenen mimischen Fertigkeiten eine überraschend lustig und reife Frau war anstatt eines matronenhaften Mädchens, das sie sonst darstellt. Das geschah alles völlig unexzentrisch, trotz Lebendigkeit gelassen in einem ruhigen graphischen Szenenbild, und wurde hervorragend photographiert. Selbst die Kostüme provozieren wenigstens ein Prädikat: sehr hübsch. Manfred Sack