Drei Mütter klagten einander ihr Leid. „Sind Ihre auch so?“ fragte Mutter SPD. – „Wenn nicht schlimmer. Kaum zu bändigen“, gab ihr Mutter FDP Bescheid. „Haben Sie es gut. Ihre sind immer so artig“, sagte sie dann zur Mutter CDU. „Ach, wenn Sie wüßten“, seufzte die, „ich weiß gar nicht, was in sie gefahren ist.“

„Wo sie das nur alle herhaben?“ klagte Mutter SPD: „Meine müssen sich bei Ihnen angesteckt haben“, sagte Mutter FDP, „wahrscheinlich bei diesen Sandkastenspielen.“ – „Meine habe ich immer gewarnt: Spielt nicht mit diesen Schmuddelkindern von der FDP und mit diesen Jusos“, sagte Mutter CDU. „Aber denken Sie, die hören noch auf ihre Mutter?“

„Wenn ich meinen etwas sage, werden sie sofort frech“, sagte Mutter SPD. – „Und werfen einem das Alter vor“, erregte sich Mutter FDP. „Was denen fehlt, ist ein bißchen Respekt.“ – „Oder ein paar auf den Hintern“, meinte Mutter CDU, „aber dann kommen sie gleich mit diesem Gerede von der antiautoritären Erziehung. Das haben sie natürlich alles von Ihren Kindern aufgeschnappt.“ –

Mutter SPD fühlte sich getroffen und reagierte entsprechend giftig: „Natürlich, das mußte ja kommen. Und wenn ich mich noch so von ihnen distanziere – alles, was die Bengel anstellen, wird mir in die Schuhe geschoben. Glauben Sie vielleicht, ich hätte nicht schon alles versucht? Neulich habe ich bei ihnen eine Broschüre entdeckt, die habe ich ihnen sofort weggenommen und sie eingeschlossen. Für so was seien sie noch viel zu jung, habe ich ihnen gesagt.“ – „Und wenn man ihnen das Taschengeld sperrt?“ – „Daran habe ich auch gedacht“, meinte Mutter FDP. – „Nützt überhaupt nichts“, sagte Mutter SPD. – „Gut, zu wissen“, sagte Mutter CDU. –

„Da hat man sie auf die Welt gebracht, hat sie hochgepäppelt ...“, klagte Mutter SPD. Mutter FDP ergänzte sie: „Damit sie mal was Ordentliches werden ...“ – „Und wo bleibt der Dank?“ fragte Mutter CDU. „Neulich haben sie mir einen Wunschzettel mit lauter Forderungen überreicht.“ – „Das kenne ich“, sagte Mutter FDP nickend, „heute wollen sie dies, morgen jenes, nie sind sie zufriecen.“ – „Ich zittere dauernd bei dem Gedanken, was sie wieder angestellt haben könnten“, stöhnte Mutter SPD, „Disziplin ist für sie ein Fremdwort.“

„Rücksicht auch“, pflichtete ihr Mutter FDP bei, „wo sie doch genau wissen, wie schwach ich bin, wie ich mich schonen muß.“ – „Sie wissen genau“, sagte Mutter SPD, „daß man sie jetzt braucht, das nützen sie natürlich aus. Die reinste Erpressung.“ – „Überhaupt kein Familiensinn, das ist es“, stimmte ihr Mutter FDP zu. –

„Wenn meine so was hätten, würden sie ein bißchen Rücksicht auf meine Brüder und Schwestern in Bayern nehmen. Die behaupten dauernd, das seien die Früchte meiner liberalen Erziehung“, sagte Mutter CDU. „Wir waren nicht so“, stellte Mutter SPD wehmütig fest. – „Aber sie werden mal so werden wie wir“, meinte Mutter FDP. „Das ist eine sehr vage Hoffnung“, meinte Mutter CDU skeptisch. „Vorläufig machen sie einem jedenfalls nur Kummer und Sorgen“, sagte Mutter SPD, „man muß sich ja manchmal richtig schämen. Aber als ich sie neulich aufforderte, sich wenigstens einen anderen Namen zuzulegen, da haben sie mir was gehustet.“ – „Das hätte ich bei meinen gar nicht wagen dürfen“, sagte Mutter FDP. Darauf sagte Mutter CDU: „Zu mir hat doch neulich tatsächlich so ein Dreikäsehoch gesagt: ‚Mutti, bin ich froh, daß du mich nicht hast auf den Namen Christian taufen lassen!‘“