Ohne Nennung eines genauen Termins für die geplante europäische Gipfelkonferenz, aber mit der Zusicherung von Staatspräsident Pompidou, daß eine derartige Konferenz „wünschenswert“ sei, ist das zweitägige deutsch-französische Konsultationstreffen am Dienstag zu Ende gegangen. Beide Seiten äußerten sich zufrieden über die Ergebnisse der Gespräche, die von „Offenheit und Vertrauen“ gekennzeichnet gewesen seien, und vereinbarten, daß die Außenminister der Gemeinschaft bei ihrer Zusammenkunft am 19. Juli über Termin und Tagesordnungspunkte der Gipfelkonferenz entscheiden sollten. Gleichzeitig soll dann über eine gemeinsame Haltung der Gemeinschaft gegenüber der Dollarflut beraten werden.

Hauptthemen der deutsch-französischen Gespräche waren Europa, die Erweiterung der europäischen Gemeinschaft, das Problem Sicherheit und Frieden sowie Währungsfragen. Währungspolitisches Ziel der Gemeinschaft müsse das Festhalten an festen Währungsparitäten sein, sagte Pompidou. Richtschnur für die Wirtschafts- und Währungsunion bleibe das Washingtoner Abkommen vom 21. März. Vorher könne es nicht zu einer Erweiterung der Gemeinschaft kommen.

Parallel zu den Gesprächen Brandt-Pompidou fanden Gespräche der Wirtschafts- und Finanzminister, der Außenminister und der Wissenschaftsminister statt. Im Mittelpunkt der Erörterungen Scheel-Schumann standen die Möglichkeit für einen beiderseitigen ausgewogenen Truppenabzug (MBFR) und die sowjetisch-amerikanischen Vereinbarungen über die Begrenzung der strategischen Rüstung (SALT). Die Wissenschaftsminister von Dohnanyi und Ortoli unterhielten sich vor allem über Probleme der Weltraumfahrt und -forschung, insbesondere über eine mögliche europäische Beteiligung am amerikanischen Apollo-Nachfolgeprogramm und über die Entwicklung der Trägerrakete Europa III.

Die deutsch-französischen Konsultationsgespräche hatten schneller zu Übereinstimmungen geführt, als man dies zunächst nach den Äußerungen des französischen Staatspräsidenten zum Thema Gipfelkonferenz erwartet hatte. Allerdings einigte man sich auf ein Minimalprogramm. Frankreich wandte nichts gegen die Eröterung der Frage ein, wie die Institutionen der Gemeinschaft gestärkt werden könnten, ließ aber offen, ob dies schon auf dem geplanten Gipfel zur Sprache kommen soll. Die Bundesrepublik stellte die von ihr vorgeschlagene Gründung eines politischen Sekretariats zurück, behält dies aber als „Zielvorstellung“ im Auge.