Nun rollt sie wieder, die Reisewelle. Die Bundesbürger machen Urlaub. Doch der schöne Schein der Urlaubsparolen, der Plakate, Photos und Prospekte trügt: Nur jeder zweite reist in diesem Jahr in die Ferien; die Hälfte der Bevölkerung – so hat es das Statistische Bundesamt errechnet – bleibt zu Hause.

Nur ein Teil davon tut das freiwillig. Da wird für ein Haus, die neue Wohnungseinrichtung, das Auto oder für die große Reise im nächsten Jahr gespart. Viele aber verzichten ganz und gar unfreiwillig auf die Konsumware „Urlaub“.

Es mag in einer Gesellschaft, die nicht müde wird, sich ihres Wohlstands zu rühmen, überraschen: Ein beträchtlicher Teil unserer Mitbürger kann sich immer noch keine Urlaubsreise leisten. Dazu gehören viele Rentner, vor allem aber kinderreiche Familien, von denen nach einer Untersuchung des Bundesfamilienministeriums 45 Prozent noch niemals gemeinsam in die Ferien gefahren sind.

Unbarmherzig, wie unsere Konsumgesellschaft nun einmal ist, verlangt sie unaufhörlich den Wohlstands-Offenbarungseid. In diesen Tagen muß er zum Thema „Urlaub“ geleistet werden – wie kürzlich in einer Kindersendung des Fernsehens, als die Frage des Reporters: „Wohin verreist du?“ viele Abc-Schützen in arge Verlegenheit brachte.

Aber der Trend gibt keinen Anlaß zum Pessimismus: Sieben Prozent der Bundesbürger können sich schon einen Zweiturlaub leisten.

F.R.