Mit der knappen Mehrheit von fünf gegen vier Stimmen hat das Oberste amerikanische Bundesgericht am Donnerstag voriger Woche entschieden, daß die Vollstreckung der Todesstrafe in ihrer heute in den Vereinigten Staaten üblichen Form gegen die Verfassung verstoße und nicht verhängt werden dürfe. Der achte Verfassungszusatz verbietet grausame Strafen. Durch das Urteil wird die Hinrichtung von etwa 600 Todeskandidaten in 31 Bundesstaaten ausgesetzt. Die beiden letzten Hinrichtungen hatten 1967 stattgefunden.

Gegen das Votum sprachen sich die vier von der Nixon-Regierung ernannten Richter aus, darunter Chefrichter Warren Burger. Die Mehrheitsentscheidung des Supreme Court läßt allerdings die Möglichkeit offen, daß der Gesetzgeber unter gewissen Voraussetzungen die Todesstrafe wieder einführt. In vielen Bundesstaaten hatten die obersten Gerichte die Todesstrafe allerdings schon Verworfen; Vollstreckungsbehörden setzten den Vollzug von Todesurteilen aus und warteten die höchstrichterliche Entscheidung ab.

Seit 1930 sind in den USA 3859 Menschen hingerichtet worden. Im Jahre 1962 waren es noch 47; dann sank die Zahl schnell ab.